März 14 2003
#39 Fiordland
[09.03.2003] Invercargill, Demo
Heute hab ich nicht allzu viel gemacht, ausser E-Mail schreiben.
Ach ja, am Nachmittag machte ich noch einen „Stadtrundgang“. Oder anders formuliert, ich schloss mich einem Protestmarsch für Frieden an.
Ungefähr 250 Demonstranten zogen friedlich durch die Strassen bis zu einem schönen Park, wo eine Kiwi, die recht aktiv beim letzten Krieg mit „Entwaffnung“ von amerikanischen Bombern war (klar kam sie und ihre Kolleginnen hinter Gitter), eine ziemlich gute Rede hielt.
Dann noch ein bisschen Musik, wo ich mir die Sonne auf den Pelz brennen liess.
Ein TV-Team wollte mich noch interviewen und ich war gerade etwas perplex. Aber später dachte ich mir, es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die eigene Friedfertigkeit zu testen. Thema Alinghi.
Scheinbar fand auch in Queenstown eine Demo statt, wo Leute nackt Rumliefen.
Tja, das war’s für heute.
[10.03.2003] Invercargill -> Te Anau
Ich hab ausführlich das Wetter studiert und es sah nicht besonders viel versprechend aus. Das Wetter kam von Südosten und ich wollte ins Fiordland im Südwesten der Südinsel fahren. Das Problem war, die Wolken waren bereits da. Kein teilweise bewölkt.
Aber ich kann mich äusserst glücklich schätzen, dass ich in den letzten Wochen solch tolles Wetter gehabt hatte.
So fuhr ich eher emotionslos die Küste entlang, schaute mir ein paar Attraktionen auf dem Weg an, aber für Fotos schien es mir zuwenig schön (verwöhnter Typ).
Hast du früher mal Monkey Island auf dem Computer gespielt? Die Insel gibt es tatsächlich. Ein kleiner Fleck im Süden von New Zealand. Im Computerspiel ist die Insel schon etwas grösser und schöner.
Weiter ging es nach Clifden, wo ich noch einen Abstecher zu einem See in den Fjords machte. Ich wollte sehen, wie das Wetter dort ist, denn ich wollte morgen eine Tour in einem der Fjords buchen.
So fuhr ich 40km zum Lake Hauroko, der übrigens auch der tiefste von Neuseeland ist. Das Wetter sah hier schon besser aus, so nach „partly cloudy“. Am See gab es noch eine Wanderung, die sicher noch schön gewesen wäre. Mach ich vielleicht noch, wenn das Wetter besser wird.
So fuhr ich das letzte Stück nach Lake Manapouri, dem Ausgangspunkt der morgigen Tour, die ich machen möchte, wenn das Wetter gut ist. Hier sah es allerdings trüb aus.
Im Office konnte ich gerade noch das zweitletzte Ticket für die Doubtful Sound Übernachtstour buchen. Anahand der Karte hoffte ich, dass die Berge, die Südostströmung von Wolken aufhalten mochten.
Die andere Option war Milford Sound. Der ist aber weniger lang und um einiges touristischer, da einfacher zugänglich.
Ich fuhr weiter nach Te Anau, wo ich übernachtete.
Bei der Ankunft fand ich einen Prospekt von einem Tauchunternehmen, das Tauchtrips für 4 Taucher im Milford Sound anbot. Eine Ganztagestour. Und der Preis war billiger.
Ich rechnete schon mit schlechtem Wetter und nervte mich, dass ich bereits die andere Tour gebucht hatte, denn beim Tauchen spielt das Wetter nicht so eine Rolle.
[11.03.2003] Doubtful Sound
Ich wurde von lärmigen israelischen Mitbewohnern geweckt. Ein Blick nach draussen, grau.
Meine Missstimmung verstärkte sich noch, als ich merkte, dass auf dem Bettpfosten, wo ich meinen Pulli aufhängte, ein Kaugummi klebte. So ein Schwein…!
Ich hab auch schon Bekanntschaft mit den ziemlich anhänglichen Kreaturen namens Sandflies geschlossen. Ziemlich nervig und die Bisse jucken lange und bei einigen hinterlassen sie für lange Zeit rote Punkte. Erinnerungen an Schottland mit einigen hundert Stichen kamen hoch. Übrigens, es sind nur die Weibchen die beissen ;-).
Ich besorgte mir ein starkes Mittel und fuhr nach Manapouri, um die Fähre am Mittag zu erwischen.
Mit dem Boot überquerten wir denn langen Lake Manapouri. Es war noch immer schön grau.
Auf der anderen Seite wurden wir richtiggehend von Sandflies begrüsst. Was für ein Festessen.
Weiter ging es mit dem Bus über einen Pass. Der Busfahrer war sehr gesprächig und erzählte uns viel über die hier herrschende Vegetation.
Lawinen kennt man hier auch. Nicht eine aus Schnee, sondern aus Bäumen. Wenn mal wieder einer über seine Wurzeln stolpert, reisst er alles mit auf seinem Weg nach unten und hinterlässt eine Schneise. Es dauert dann fast 100 Jahre, bis sich der Wald wieder erholt hat. Und ich dachte, Bäume halten Boden und Untergrund zusammen.
Auf der Passhöhe tauchten wir aus den Wolken auf in ein wunderschönes Tal mit glitzerndem Wasser und stahlblauen Himmel hinein. Was für ein Geschenk! Ich war sprachlos. Hätte ich nicht erwartet.
Wir fuhren die Passstrasse hinunter zum Anlegesteg, wo wir ein grosses Boot besteigen, das uns den Doubtful Sound näher bringen soll. War wirklich ein tolles Schiff.
Der Fjord heisst so, da Captain Cook im Jahre 1770 „doubtful“ war, ob es genügend Wind haben mochte, dass ihn wieder heraus blasen würde. Er hatte jedenfalls Recht, denn hier hat es meistens eine Westbrise wie heute, dass scheinbar die Wolken abhielten, ins Tal zu kommen. Ein weiterer Vorteil des Windes war, dass der Wind die Sandflies vertrieb.
So fuhren wir den Sound hinaus und bewunderten die tolle Umgebung. Die Wasserfälle waren nicht so spektakulär, da es schon eine Weile nicht mehr geregnet hat. War mir auch recht, dass es heute nicht regnen musste.
Am Eingang zum Sound fanden wir einige Inseln, auf denen eine Seehundkolonie zuhause war.
Wir fuhren wieder zurück und in einen Seitenarm hinein. Hier konnten wir in Kajaks steigen und die Gegend näher erkunden. Ich hab’s gerade nicht geschafft für die erste Gruppe, so fuhren wir in einem Tender Boot herum.
Wir fuhren gerade auf der Schattenseite eines Berges um die Ecke, wo goldene Sonnenstrahlen uns blendeten, als vor uns ein Tümmler (grösster Delphin) aus dem Wasser sprang und wunderschön glitzerte. Was für ein Anblick!
Wir sahen noch einige mehr und später im Kajak kam ich ihnen sehr Nahe.
Zurück auf dem Boot gab es Nachtessen. Ein grosses Buffet, wo man Essen konnte, bis zum abwinken. Am Nachmittag hatte ich bereits vier Muffins verdrück, was mein Magen nicht gerade goutierte. Ich konnte einfach nicht widerstehen.
Am Buffet schlug ich zu. Man ernährt sich ja sonst eher einseitig. Gefolgt von einem reichhaltigen Dessertbuffet. Mann war ich voll. Konnte kaum noch gehen.
Später beim Kartenspielen holten wir uns noch die Käseplatte zu uns, als ob wir noch nicht genug hatten.
Was für ein schöner Tag.
[12.03.2003] Doubtful Sound, Milford Sound
Wahrscheinlich war ich so voll gefressen, dass ich gar nicht mitbekam, als meine Zimmergspänli aufstanden.
Am Frühstücksbuffet hielt ich mich zurück, denn mein Magen war wahrscheinlich noch zum Bersten voll.
Wir fuhren im fast stillen Fjord herum und bewunderten die schönen Spiegelungen.
Dann war es schon Zeit, wieder zurück in den Nebel zu fahren.
Genau auf der Passhöhe begrüsste uns der Nebel wieder. Gegen Mittag war ich zurück in Manapouri. War eine tolle Fahrt und es hat sich absolut gelohnt.
Mit dem Auto fuhr ich nach Te Anau, das nur 20 km entfernt ist. Hey, das Wetter hat sich auch hier aufgeklärt. Nichts von Regen, wie in der Vorhersage.
So fuhr ich am See entlang Richtung Milford Sound.
Einige Fotostops (für Album): Eglinton River, Mirror Lakes, Lake Gunn, Pop’s View, Humboldt Falls. Schönstes Wetter.
Eine der wenigen Tunnels, die es hier gibt. verbindet die beiden Täler. Ziemlich krasses Gefälle, roher Fels, keine Beleuchtung. Einfach ein schwarzes enges Loch. Zum Glück kam kein Bus entgegen.
In Milford Sound war ich eher enttäuscht. Ich hab erwartet, dass bei den vielen Touristen, die hierher kommen, etwas Infrastruktur ist. Es gab ein Backpackers, ein Hotel und ein Bootsterminal. Zudem war es bedeckt und Nebel kam vom Meer her. Zum Glück war ich im Doubtful Sound.
[13.03.2003] Milford Sound
Das Wetter war heute teilweise bedeckt. Eher sonnig. Ich erkundete die Umgebung noch etwas genauer. Es hatte einen kleinen Fischerhafen, einen Flugplatz, viele viele Parkplätze und den Terminal für die Bootstouristen. Und haufenweise Busse, die Ladung um Ladung von Touristen abluden.
Richtig viel Betrieb hier. Und immer wieder Flugzeuge und Helis, die den Kunden die Landschaft zeigten. Doubtful Sound war da schon viel ruhiger. Besser gesagt, alleine (ausser noch einem kleinen Kajakunternehmen).
Ich habe die Fiordlands genossen und es war Zeit, wieder etwas Neues zu sehen.
So fuhr ich die Strasse wieder hinauf und durch den Tunnel. Auf dem ganzen Weg hatte es viele Autos und Busse.
Genau im Tunnel passierte es, dass mir zwei Bus entgegenkamen. Wir beide hatten keinen Platz. So rollte ich ein Stück hinunter um mich an die Felswand zu schmiegen. Hatten gerade Platz. Was ist wohl, wenn da zwei Busse oder ein Wohnmobil herauf kommen?
Unterwegs traf ich noch Thomas, dem anderen Schweizer, der mit dem Fahrrad mit Gepäckanhänger unterwegs war. Bin ich froh, dass ich diesmal mal mit dem Auto unterwegs bin.
Und es ging weiter nach Queenstown, der Abenteuerstadt…
März 17 2003
#40 Queenstown, Abenteuerstadt, Goldgräber
[13.03.2003] Milford Sound -> Queenstown
… Kurz vor Te Anau hatte ich wieder Empfang mit meinem Mobiltelefon. Oh, Michele ist auf dem Weg nach Milford Sound. Gerade als ich meine Antwort geschickt hatte, meinte ich, als ob ich Michele, ihr Freund und ihren Bruder gesehen hätte vorbeifahren.
Bin sofort umgedreht und hinterher gerast. Doch sie hatten ein ordentliches Tempo und 30 km lang wollte mich das Auto nicht vorbei lassen. Vielleicht waren sie es doch nicht und hat die Verfolgung aufgegeben.
Im Sonnenschein und niedrigem Benzinstand bin ich nach Queenstown weitergefahren. Ich hoffte, dort ist das Benzin etwas billiger.
Kurz vor Kingston kam mir mal wieder ein Auto mit Drehlichtern entgegen und bedeutete mir, anzuhalten. Keine Polizei. Sicher kommt wieder eine Lawine Schafe oder einen Laster, der einen Kran transportiert.
Ich bin langsam ausgerollt als plötzlich hinter dem Hügel ein komplettes Haus auf einem grossen Schlepper auftauchte und auf mich zukam. Ich hab mich schleunigst in den Strassengraben verdrückt, bevor ich ohne Dach dastehe.
Nach Kingston sah ich den wunderschönen See, der nach Queenstown führt. Auf dem Weg gab es manchen schönen Platz und ich dachte, ich könnte eigentlich mal wieder campen.
In Queenstown tankte ich, doch nicht so billig wie ich hoffte und machte mich auf die Suche nach einem Bett. Ich hab’s erahnt, dass bestimmt nichts mehr frei war, aber ich wollte nicht vorher anrufen. Ich hätte ja etwas anderes erleben können und wäre lieber geblieben.
So bin ich ein bisschen zurück zu einem schönen Campingplatz gefahren, denn ich auf dem Weg gesehen hatte.
Mal wieder zelten. Ist doch wirklich schön. Und am nächsten Morgen mit Sonnenschein aufstehen. Das wäre doch was.
Nach dem Zeltaufbau legte ich mich auf den Rasen und faulenzte.
[14.03.2003] Queenstown, Michele + Stefan
Hm, das mit dem Sonnenschein hat nicht so geklappt. Es hatte geregnet. Doch es klärte immer mehr auf.
In Queenstown hab ich mich umgesehen, was man hier so alles machen kann. Queenstown ist die Stadt, wo man Adrenalin pur erleben kann. Riverraften, White-water Sledging, Canyoning, Jetboating, Bungy Jumping, Flying Fox, Paragliding, -chuting. Fly by wire und was es sonst noch so alles gibt. Wirklich enorm.
Als ich im Internetcafe war, erhielt ich ein SMS, das Michele nun in Queenstown eingetroffen ist.
Ich traf sie und ihren Freund auf dem Campingplatz und wir hatten uns jede Menge zu erzählen. Ich hab mich übrigens am Vortag mit dem anderen Auto geirrt. Ich hatte stets gedacht, sie wären vor mir, aber irgendwie sind sie vom Süden zuerst noch in den Norden der Südinsel und wieder zurück. Und scheinbar hatte ich jeweils das schöne Wetter zum nächsten ort mitgenommen. Deshalb sind sie so schnell hinter mir her gefahren ;-). Es hatte ja Sonne hier.
Am Abend waren wir gemeinsam indisch Essen. War sehr authentisch.
[15.03.2003] White-water Sledging
Ja, heute hat es mit dem schönen Wetter zum Frühstück geklappt. War das schön und gemütlich.
Mich reizte etwas von dem Angebot hier zu testen, während die beiden lieber die Landschaft näher erkundeten.
Ich bin zum White-water Sledging gefahren. Anstatt im Gummiboot den Fluss herunterzufahren, wollte ich lieber darin schwimmen.
Ausgerüstet mit einem Anzug, Miniflossen und einem Boogie (Brett) sind wir gemeinsam mit einigen Führern (die uns wieder aus dem Seich herausziehen würden) den Fluss herunter geschwommen.
War echt cool. Rein in die Stromschnellen und wie in einer Achterbahn durch die Flusswellen düsen.
Es war das erste Mal für mich. Hat mir Spass gemacht. Wir gingen gleich noch ein weiteres Mal hindurch, nun von noch etwas höher um noch ein paar Wellen mehr zu kriegen.
Ich wusste nun was mich erwartet und wollte noch mehr Wellen erwischen, aber einige waren doch zu gross (~2m) für mich und ich bin etwas ausgewichen.
Am Abend haben wir gemeinsam fein und viel gekocht.
[16.03.2003] Goldgräbervalley, Alexandra, Wanaka
In der letzten Nacht stellten wir hier in New Zealand von Sommer- auf Winterzeit um. Eine Stunde länger schlafen.
Heute hiess es Abschied nehmen. Sie fuhren weiter nach Wanaka und weiter in den Norden. Dieselbe Strecke wie ich, aber wahrscheinlich schneller.
So fuhr ich von unserem Campingplatz Kawarau Falls dem Kawarau entlang in das Tal, wo ich bereits gestern darin geschwommen bin.
Auf dem Weg besuchte ich die Kawarau Bridge, eine uralte Brücke von 1880, die heute zum Bungyjumping herhalten muss.
Es war das erste Mal, dass ich live jemand beim hinunter springen zusah. Seil kontrollieren, nach vorne tapsen, springen und … fallen.
Der erste Sprung sah für mich schon gfürchig aus. Einige mehr folgten. Sie konnten es auch so dosieren, dass einige bis zum Oberkörper in den Fluss eintauchten. Was für ein Feeling das sein mochte. Cool.
Ich gewöhnte mich an die Sprünge und sie sahen gar nicht mehr so gfürchig aus.
Der Betreiber war sozusagen der Erfinder und war das erste Mal vom Eiffelturm gesprungen.
Weiter geht’s zu den Goldgräbern. Schon das Tal sah sehr nach Wilder Westen aus. Viel Steppe und einige dürre Sträucher. Zuvor hatte ich bereits in Arrowtown eine chin. Siedlung besucht.
Auf dem Weg gab es auch ein Mining Center, wo sie ein paar alte Sachen zeigten und man sich im Goldwaschen versuchen konnte. Scheinbar hatte man hier in den ersten 3 Jahren 30 Tonne Gold gefunden. Aber als der Run anfing, war wohl nicht mehr soviel zu finden.
Ich besuchte lieber Bannockburn, wo man ganze Hügel abgegraben hatte. Ich wanderte zwei Stunden durch das Gebiet. Riesige Furchen. Scheinbar hatten sie mehr Gold weggeschwemmt als sie auffingen.
Wenn ich schon so nah bin, musste ich noch Alexandra besuchen. Ein schönes gemütliches Städtchen, die nach meiner Freundin benannt ist. Auch hier suchte und fand man Gold.
Ich fuhr den ganzen Weg, der fast den ganzen Tag beanspruchte zurück fast nach Queenstown, um eine schöne Passstrasse nach Wanaka zu nehmen. Hier merkte ich, dass die Zeitumstellung ein richtiger Mist war. Eine Stunde weniger lang unterwegs sein. Doch ich hab noch ein Bett gefunden.
By ecki • Weltreise 2002/2003 0