Ich bin wieder unter den Sehenden. Was für ein Gefühl.
Seit ein paar Jahren trug ich mich mit dem Gedanken, meine Augen korrigieren zu lassen. Ich hab jeweils gespannt meinen Kollegen, Freunden, Berufskollegen und Kunden gelauscht, wie sie das erlebt haben und ob es wirklich so gut ist.
Im letzten November hab ich dann Entschluss gefasst, es doch mal zu machen. Mit meinen Augen seh ich laut Optiker weniger als 10%. Ist noch schockierend, das zu hören. Zumal eine Dioptrie von -5.25 nicht wirklich „brutal“ tönt.
Im Dezember liess ich mich dann untersuchen und das Ergebnis lautete: kein Problem. Hörte sich eher wie 0815 an.
Zuerst war ich absolut von der Operation überzeugt. In den vergangenen Wochen schlich sich dann doch ein etwas komisches Gefühl hoch. Was ist, wenn meine lapidaren Scherze sich bewahrheiten? Mit weissem Stock und Blindenhund die Strasse überqueren?
Gestern Montag war es dann soweit. Am Mittag hab ich noch mit einem Kollegen meine „Henkersmahlzeit“ genossen. Meine mögliche letzte visuelle Reizung.
Mein Bruder schenkte mir einen allerletzten Blick auf wunderschöne Frauen ;-). Was für eine Augenweide. Soll ich es wirklich wagen?
Die erste Etappe war die Vorbereitung dazu. Mir wurden verschiedene Augentropfen eingeträufelt. U.a. eine in gelb. Fast wie eine fest implementierte Sonnenbrille ;-).
Dann kam ich schon unters erste Messer. Mit dem Femto-Sekunden-Laser wurde bei beiden Augen ein Lappen gebildet. Der Lappen ist nötig, damit man unter diesem anschliessend die Augen korrigieren kann. Früher verwendete man ein Messer, der diesen Lappen machte. Mit dem Femto-Sekunden-Laser ist die ganze Sache schon viel präziser.
Ich durfte dann etwas ausruhen, damit die Luftbläschen, die sich in den Augen gebildet hatten sich abbauen konnten. Die Umgebung war milchig und die zuvorkommenden Krankenschwestern benetzten es dauernd.
Nach 45 Minuten (anstelle von 20 Minuten) kam ich zur zweiten Etappe. Unters richtige Messer. Ich lag auf dem Operationsbett und ein Lidhalter wurde montiert. Der Laser eingestellt und auf einen Punkt auf dem Auge fixiert. Meine Augen konnte ich frei bewegen, musste natürlich versuchen, sie auf einen Punkt zu fixieren. Der Laser würde meinen Bewegungen folgen, sodass keine Fehloperation entstand.
Der Augenlappen wurde aufgeschlagen und mit einem Mal sah ich überhaupt nichts mehr, nur noch alles in einer Einheitsfarbe. Wie wenn ich minus 30 oder 40 Dioptrien hätte. Der Laser fing an und ich sah das Zucken der roten Lasern und es roch nach verbranntem Haar. Das dauerte 24 Sekunden und war überhaupt nicht schmerzhaft. Im Anschluss noch das andere Auge.
Dann war der ganze Spuk zuende. Ich stand auf und stellte fest, dass ich noch nicht blind bin. Zwar sah ich noch nicht klar, aber zumindest sah ich schon mehr als ohne Operation. Ich konnte schon die Namen der Geräte schwach erkennen. Was für ein Gefühl.
Mir wurden dann noch Sonnenbrille, Tropfen und weitere Verhaltensweisen übergeben.
Zurück bei meinem Bruder und meiner Mutter verblüffte ich sie mit meiner Seestärke. Hatte zwar noch Mühe, aber zumindest war ein Erfolg absehbar.
Nach einer halben Stunde wurde mir die Verbandslinse rausgenommen und ab dann war dann fertig. Ich konnte meine Augen nicht mehr kontrollieren und blieben geschlossen.
Ich wurde von meinem Bruder und meiner Mutter nach Interlaken chauffiert, beim Tropfen geben unterstützt und bald lag ich im Bett, denn ich konnte ja sowieso nichts mehr tun und sehen.
Der nächste Tag sah dann schon viel besser aus. Hab die Augenbinde abmontiert und konnte die ersten Erfolgserlebnisse feiern. Ich konnte Bücher und CD’s erkennen. Daraufhin checkte ich auch kurz meine Mails. Noch etwas ungewöhnlich im Fokus, aber absolut super.
Ich fuhr zur Kontrolle nach Bern und verarschte im Anschluss meine Berufskollegen in der Firma.
Jetzt muss ich ein Monat still halten und nichts an den Augen fingern. Der Lappen (die Wunde) ist noch sehr labil und eine Verschiebung oder Faltung hätte verherrende Folgen.
Aber ansonsten kann ich sagen, Operation geglückt, Patient lebt! Ich geh lieber zum Lasern anstelle zum Zahnarzt.
Herzlichen Dank an Dr. aus der Au und seinem Team für das neue Lebensgefühl.
Nov. 3 2007
Entscheid: Auswanderung nach Berlin
Hallihallo
Tja, die Entscheidung ist gefallen. Ich werde nach Berlin auswandern zu meiner Freundin und dort ein neues Leben beginnen.
Die Entscheidung ist nicht leicht gefallen. Aber als Reisevogel wie ich einer bin auch nicht ganz unverständlich. Ich bin gespannt, wie die Erfahrung Berlin wird.
Wir haben uns einiges vorgenommen und momentan stecke ich in mehreren parallel laufenden Projekt fürs nächste Jahr: Skiferien Ende Januar, Ausräumen der Wohnung Ende Februar und Transport nach Berlin. Wahrscheinlich erst Mal in ein Lager, da wir noch keine grössere Wohnung haben werden. Am 6. März fliegen wir für 6 Wochen nach Australien und bereisen die Ostküste mit einem Auto. Un dann ist der kleine Abstecher schon zu Ende und ich sollte hoffentlich auf den 1. Mai einen Job in Berlin finden.
So ein Umzug ist schon nahrhaft. Gilt es nicht nur die Möbel von A nach B zu bringen, sondern sämtliche Verträge zu künden, ein neues System kennenzulernen und ein neues Umfeld aufzubauen. Beruflich fehlt mir das Know-How um Steuern, Recht und Finanzen. Aber irgendwie werde ich das schon erlernen.
Aber ich will meine Freunde in der Schweiz nicht ganz vergessen und gedenke, regelmässig nun die umgekehrte Route von Berlin in die Schweiz zu fliegen. Das ist ohnehin billiger.
By ecki • Blog 0