#02 Ankunft in Moskau, Infonet, Servas, Tennis spielen, surfen

Hi zäme

Nun bin ich fast eine Woche hier in Moskau und hab kaum Zeit gefunden, alle die neuen Eindrücke und Erlebnisse zu verarbeiten. Vieles ist geschehen.

[Do, 05.09.2002] Abreise, Ankunft Moskau

Heute war mein grosser Tag. Nach langer Stressphase, viel Arbeit und packen ging es endlich los. Nun ja, viel von Reisebegeisterung hab ich bisher nicht bemerkt.

Heute Morgen sind wir früh aufgestanden, das Gepäck hatte ich bereits am Vortag eingecheckt. Zum guten Glück, denn der Zug hatte Verspätung.

Am Flughafen Zürich wollte ich mein GA abgeben – Computerpanne. Im Reisebüro nebenan ging es halbwegs. Dann die Information: Sie können das GA nicht zurücknehmen. Ein paar Monate früher hatte ich mein Portemonnaie mit allen Karten und Ausweisen verloren. Es wäre ja möglich, dass ich ja wieder die alte Karte hätte. Da half nichts. Nicht einmal die Aussicht, dass ich für ein Jahr weg bin. 2000.- in den Wind geschrieben. Ich habe fest mit diesem Betrag gerechnet.

Wenn jemand mir in dieser Sache weiterhelfen kann, bin ich sehr dankbar.

Der Abschied viel mir sehr schwer. Im Flugzeug die Leere. Was kommt auf mich zu? Wie wird mein Leben von nun an aussehen? Will ich das überhaupt?

In Moskau fühlte ich langsam Reisestimmung. Ich wurde von Alexander am Flughafen erwartet. Er war in allem sehr hilfsbereit und zuvorkommen. Ich fing an, dass russische Alphabet zu lernen.

Ich reise mit einer Homestay-Organisation namens Servas, die in vielen Ländern Adressen haben, wo man übernachten kann. Es soll nicht als günstige Übernachtungsmöglichkeit angesehen werden, sondern mehr als Austausch von Interessen und Diskussionen. Mehr Infos unter www.servas.org.

Im August hab ich eine mündliche Zusage von einer älteren Lady erhalten, die mich begrüssen würde. Doch irgendwie hat sie ihren eigenen Geburtstag übersehen. Den wollte sie nicht mit mir feiern.

Mit Hilfe von Alexander fand ich im Hotel Slavyanka ein sehr günstiges Zimmer (russischer Preis). So gut und günstig gibt es nicht mal ein Hostel hier. Einzelzimmer und mit Telefon mit dem man gratis in Moskau telefonieren kann. Das Hotel ist eigentlich überhaupt nicht auf Touristen eingestellt. Sie sprechen auch nicht English. Es gehört dem Militärischen Departement und überall hat es hohe Tiere, die mit ihren Gattinnen ein Stell-dich-ein haben. Soldaten gibt es auch, die putzen aber die Fenster. Aber ich fühl mich hier gut aufgehoben und sehr sicher 🙂

Am Abend wollte ich noch fein essen und nach Möglichkeit das Internet Cafe besuchen. Laut Karte (sehr klein) wäre der Weg recht einfach gewesen. Leider bin ich um wenige Grade von der Richtung abgewichen und landete völlig am falschen Ort. Ein Geschäftsmann zeigte mir meinen Irrtum auf und führte mich zur Metro. Na dann, Metro testen. So was hab ich bisher nicht erlebt. Paris und London können da einpacken. Das System ist höchst effizient, kurze Verbindungswege, Rolltreppen, sauber, keine Bettler (hat auch sonst keine) und alle 2 Minuten eine Metro. Super!

Am Ziel suchte ich wieder herum. Zum guten Glück hatte ich von meiner Firma einen Kompass geschenkt bekommen. So fand ich das Internet Cafe doch noch nach 2 Stunden.

[Fr, 06.09.2002] Besuch Infonet Russia

Heute stand ich um 11 auf, da mein Wecker noch nach europäischer Zeit lief.

Dimitri holte mich vom Hotel ab. Auf dem Weg zum Büro zeigte er mir den roten Platz.

Im Büro angekommen, gab es ein herzliches Willkommen und Geschenke austauschen. Die Crew ist klein und ich konnte mit einigen über das Geschäft sprechen und so einen Einblick in ihr Geschäftsmodell erhalten. Sehr interessant.

Um 15.00 luden sie mich zu einem feinen Mittagessen im Diplomatic Country Club (heisst glaub ich einfach so) ein. War sehr fein und speziell… und der Wodka floss reichlich. Mit jedem Gang gab es eine neue Wodkarunde. Und es gab einige Gänge 🙂 Kaviar konnte ich auch genug essen. Ist eigentlich überhaupt nichts besonderes, einfach nur salzig. Aber halt doch irgendwie cool.

Danach sah ich noch den Knoten. Dimitri brachte mich anschliessend zum Hotel. Auf dem Weg gab es noch zwei weitere Biere. Auch sehr fein.

Keine falschen Schlüsse ziehen bitte, ich konnte noch gerade gehen :-). Am Abend bin ich dann nicht mehr weg, der Bauch war ziemlich voll.

[Sa, 07.09.2002] Einkaufserlebnis, Tennisspielen mit Tanja

Heute bin ich ziemlich in der Gegend herumgestreift und hab nach neuen Eindrücken Ausschau gehalten. Von Gefahren im Allgemeinen sah ich nichts, obwohl Sicherheitspersonal Hochkonjunktur hat und sei es nur, ein paar Parkplätze für zahlende Russen oder Mitarbeiter freizuhalten.

Auf mobilen Kastenwagen wird fast alles angeboten, was man gerade braucht: Getränke, Alkohol, Zigaretten, Zeitungen, Früchte, Gemüse, Videos, Essen und was es noch alles gibt.

Ich entdeckte auch Markthallen, in denen viele wunderschöne Blumen, Getreide und allerhand Fleisch. Sah für mich aber nicht so appetitlich aus.

In der Nähe einer Metro entdeckte ich einen grossen Supermarkt. Ich war extrem beeindruckt. Eine Fülle an Nahrungsmitteln, wie man sie bei uns auch findet, sogar noch mehr. Gestelle voll Nahrungsmitteln, Süssigkeiten. 12 Sorten offenen Kaffee, der gleich geröstet werden kann. Einen Keller voll Wein und die doppelte Menge an Wodka. Ganz konkret krass. Halbleere und von der gleichen Sorte Nahrungsmittel wie früher, gibt es nicht mehr.

McDonalds sind auch hier präsent. Ich entdeckte auch eine russische Variante die sehr schmackhaft ist. Superfeine saftige Maiskolben.

Bei Servas gibt es auch so genannte Dayhosts, die man einfach treffen und mit ihnen etwas unternehmen kann.

Tanja wollte heute zum ersten Mal Tennis spielen und hat mich eingeladen mitzukommen.

Wir trafen uns in einer Metrostation. Weiter ging es mit einem klapprigen Bus durch irgendwelche Strassen, vorbei an Parks. Irgendwo hielten wir und wir mussten nach dem Weg fragen. An Wohnhäusern vorbei und durch Parks. Irgendwo fanden wir dann ein Haus, das überhaupt nicht nach einer Sportanlage aussieht. Geschlossen war es auch. Um 6 machte uns jemand auf. Riesige leere Räume und nur unser Echo. Im zweiten Stock fanden wir dann eine Turnhalle und den “Tennislehrer”.

Für Tanja und ihre Kollegin war es das erste Mal. Ein paar kurze Erklärungen und schon machten wir zu viert einen Match mit Punkten. Mal links und mal rechts spielen. Zwischendurch ein paar Erklärungen und prägnante deutsche Schiedsrichterworte. Schliesslich komm ich aus dem Hinggins-Land. Tja, von langsamen und erfolgreichen Schritten hielt man nichts.

Nach 2 Stunden setzten wir uns in ein Hinterzimmer, tranken Kaffee und unterhielten uns über alles Mögliche.

[So, 08.09.2002] Surfen mit Dimitri

Um 11 holte mich Dimitri mit seinem Jeep und geladenem Surfbrett ab. Im Auto war auch seine Freundin Olga, welche nicht gut English sprach und eine weitere Olga, die Analystin bei einem Ölkonzern ist. Mit ihr konnte ich mich sehr gut austauschen.

Wir fuhren etwa 1 Stunde in nordwestlicher Richtung an einen See. Die Strassen waren in gutem Zustand und sauber markiert. Auch Verkehrsregeln und Signale kennt man. Aber es stört sich keiner daran, wenn man mit übersetzter Geschwindigkeit links oder rechts überholt.

Ab See wurden wir von vielen Freunden von Dimitri begrüsst. Zuerst waren einige sehr reserviert zu mir, outeten sich aber später als gute Englischsprechende.

Wir assen reichlich Fleisch, Gemüse und Gewürze zu Mittag. Einige waren bereits mit Dimitris Brett draussen gewesen. Es hatte leider nicht soviel Wind. Eigentlich hab ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf dem Brett gestanden. Nur weil ich gesagt habe, dass man bei uns auf dem See Segeln und Surfen kann, hat Dimitri gemeint ich könne das.

Nur nicht blamieren. Zuerst hatte ich einige Mühe, genug Wind in das Segel zu bekommen. Zudem hatte ich Schwierigkeiten, anzuluven. Wie ging das nur noch? Von Wendungen wollen wir gar nicht erst reden.

Aber im Grossen und Ganzen konnte ich doch ein bisschen fahren und habe mich gut behauptet.

Wir spielten auch Volleyball, assen Melone und Schokolade. Nachdem ich gesehen habe, was die Russen alles einkaufen können, fühlte ich mich mit meiner Schoggi ganz klein.

Es war ein toller Tag mit Dimitri und seinen Freunden.