Apr 10 2017

Mit 64 Jahren um die Welt


Publiziert in Weltreise 2006-2008 von admin

Aus diesen Blogeinträgen wurden über die Jahre ein schönes 500-seitiges bebildertes Buch erstellt. Wenn du eine solche Erinnerung haben möchtest, nimm mit einem meiner Söhne Kontakt auf. Bestimmt findest du einen Weg dazu (z. B. über Facebook).

Zusätzlich gibt es eine Version als eBook (ohne Bilder).

Feb 27 2008

Südindien: Mamallapuram, Kanchipuram, Abschied


Publiziert in Weltreise 2006-2008 von Beatrice

Liebe Freunde,

der Badeort Mamallampuram sollte noch unsere letzte Station sein. Ein grosser breiter Sandstrand, auf dem nachts die Bettler schlafen und der Blick auf die Küstentempel erwartete uns. Am nächsten Tag besuchten wir ihn. Ich musste 250 Rupien=6 Fr. für die Besichtigung zahlen, Syed als Inder 10 Rupien. Er fand es nicht gerecht, aber ich schon. Bei uns muss man ja auch für Eintritte so viel oder mehr zahlen – und dafür wird der Tempel erhalten, der grosse Rasen gemäht, die Hecke rundherum geschnitten, Felsbrocken herangekarrt, um den Tempel vor den Wellenbrechern zu schützen. Sie haben die Tsunami-Welle überstanden. Ohne Touristen wäre das gar nicht möglich – und die Inder verdienen halt mal nicht so viel Geld. Die Tempel stammen aus dem 8.Jh. und zeigen als Freibau aus Steinquadern die frühe Tempelentwicklung an. Aus dieser Form entstanden alle späteren Tempel Tamil Nadus.

Im Zentrum von Mamallapuram erhebt sich ein grosser Fels, der mit einem wunderschönen Relief bedeckt ist. Es ist im 7. Jh. entstanden und ist das grösste Flachrelief der Welt. Die Skulpturen bedecken eine Fläche von 27 Metern Länge und 9 Meter Höhe und stellen den Lauf des Ganges vom Himalaya dar. Der Asket Baghirata ist links oben auf einem Bein stehend zu sehen. Durch seine Askese veranlasst er den Fluss Ganga zur Erde zu kommen. Himmelswesen, Götter, Menschen und die Tiere des Waldes wohnen diesem frohen Ereignis bei. Die Tiere sind besonders liebevoll gestaltet. Ein kleiner Elefant stolpert zu Füssen seiner Mutter, eine Katze umtanzt von Mäusen karikiert die Meditationshaltung des Asketen. Dieses Felsrelief ist von einzigartiger Qualität und künstlerischem Ausdruck. Wir standen bewundernd davor.

Dann wanderten wir weiter an Schreinen und Höhlentempel mit wunderschönen Skulpturen vorbei und stiegen zum Leuchtturm hinauf, von wo aus man einen herrlichen Rundblick auf das Meer und die umgebende Landschaft hatte. Wir waren nicht die einzigen. Ganze Schulklassen, die Mädchen alle in gleichen Punjabi-Dress gekleidet, tranken wie wir nach der Wanderung erfrischende kühle Kokosmilch. Zurück auf einer steil abfallenden Wiese sahen wir einen riesigen kugelförmigen Felsbrocken. Er wird Krishnas Butterball genannt.

In der heissen Mittagssonne gingen wir weiter an vielen Steinhauerateliers vorbei zu den fünf Rathas, mit Skulpturen geschmückte Monolithen-Tempel, die aus einem grossen Felsen heraus gehauen wurden. Sie dienten als Modell für weitere Tempel in Südindien.

Am nächsten Tag fuhren von hier aus nach Kanchipuram, die auch als „Stadt der tausend Tempel“ bekannt ist, davon noch rund 200 hinduistische Tempel erhalten sind, darunter mehrere herausrangende Tempel aus dem 7. und 8. Jh. Ich wollte unbedingt noch einen Jain-Tempel sehen. Nach dem grandiosen Jain-Tempel in Ranakpur, den ich auf unserer Reise durch Rajasthan gesehen hatte, wurde ich jetzt bitter enttäuscht. Keine Steinhauerarbeiten, nur bunt bemalte Deckenfresken aus der jainistischen Kosmologie.

Weiter ging es mit der Riksha zum Kailasanatha-Tempel, dem ältesten erhaltenen Tempel mit der schönsten Tempel-Anlage. Seit dem 8.Jh. wurde an ihm nichts verändert, und er gilt daher als eines der herausrangendsten Beispiele der frühen hinduistischen Tempelbaukunst im südindischen Dravida-Stil, in dem unter anderem Wandmalereien aus der Erbauungszeit erhalten geblieben sind.

Der Ekambaresvara-Tempel ist der grösste Tempel Kanchipurams und diente über 1300 Jahre der Andacht. Aber erst 1509 wurde er zu Ehren Shivas um einen heiligen Mangobaum gebaut, dessen Ableger man heute nach Durchschreiten der 1000-Säulen-Halle noch sehen kann. Der 58 m hohe Gopuram über dem Südtor ist typisch für die spätere Dravida-Architektur.

Dann fuhren wir über Schlaglöcher und in Sitzen eingezwängt zurück nach Mamallapuram. Am Abend gönnte sich Syed als Moslem wieder ein Bier, wie jeden Abend, seit wir hier angekommen sind. Er meinte, daheim könne er das nicht machen. Das müsse er hier ausnutzen. Immer Punkt 18 Uhr öffnet das Geschäft und es bildet sich jedes Mal eine lange Schlange von Männern vor dem Laden. Dann assen wir im ersten Stock mit Blick auf das bunte Treiben auf der Strasse ein feines indisches Essen und spielten Schach. Abends gingen wir noch im Dunkeln an den Strand, sassen in den Fischerbooten und schauten aufs vom Mond beschienene Meer. Ein langer Silberstrahl verlor sich am Horizont.

Nun bin ich am Ende meiner Reise angelangt. Alles lief so wunderbar. Ich bin wirklich extrem dankbar! Mein Programm ist bis auf den letzten Tempel in meinem Reiseführer erfüllt worden. Was für eine Reise! Nun kenne ich all die grossartigen Tempel in Tamil Nadu aus den Pallava- und Chola-Imperien des 7.-14. Jh. Die wollte ich mir schon lange mal anschauen.

Morgen nehme ich von hier ein Taxi direkt zum Flughafen – und brauche deshalb nicht einmal mehr in die Grosstadt Madras. Syed bringt mich hin. Nun bin ich doch froh, bald wieder zuhause zu sein. Es wird Ende Februar immer heisser, etwa 35° hier in Südindien. Deshalb fällt mir dieses Mal der Abschied auch gar nicht schwer. Syed fährt nach Sri Lanka, um eine Reportage über die dortigen Tamilen zu machen. Es war eine so interessante Zeit mit ihm, erfuhr ich doch auf den langen Busreisen viel aus seinem Leben, wie er aufgewachsen ist, wie er seine Studienzeit verbracht hat und sein Leben in Dubai als Radioreporter. Danke, danke!

Danke auch euch für eure Ermunterung und Unterstützung aus der Ferne und die Nachrichten aus der Heimat. Ich wünsche allen nur das Beste im Leben!

Mit lieben Grüssen
von Beatrice.

Feb 27 2008

Südindien: Chidambaram, Gangaikonda, Auroville


Publiziert in Weltreise 2006-2008 von Beatrice

Liebe Freunde,

Als wir in Chidambaram ankamen, war gerade Vollmond und Sonntag. Tausende von bunt gekleideten Indern kamen in den Shiva-Tempel, um zu beten, denn gerade an diesem Tag werden die Wünsche erfüllt. Ich fühlte mich natürlich wieder einmal so wohl in dieser Menge von andachtsvollen Gläubigen und schaute staunend zu, wie sie Blumen und Girlanden brachten, um ihre Gottheit zu verehren und ihren Segen zu erhalten. Eine Frau hatte sogar Wasser aus dem Ganges dabei und bot es ihrem Gott dar.

Hier wird Shiva in seiner Erscheinungsform als Nataraja, als vielarmiger tanzender Gott, der in seinem kosmischen Tanz die Welt neu erschafft, verehrt. Der Tanz des Nataraja wird auch glückseliger Tanz genannt. Die Bronzestatue des Gottes stellt die in Metall gegossene Vollkommenheit dar. Die Geschichte des Heiligtums reicht 2000 Jahre zurück, womit er einer der ältesten Tempel Südindiens ist. Ich sass lange angelehnt an eine der Säulen auf dem kalten Boden und hörte den Brahmanen zu, die ununterbrochen aus den Veden rezitieren. Der Anblick, wie Nataraja von den Gläubigen angebetet wird, ist unvergesslich. Von der Energie oder der Kälte wurde ich krank und musste einen Tag lang das Bett hüten.

Dann nahmen wir den Bus nach Gangaikonda Cholapuram. Auch diese Anlage ist riesig. Der Tempel ähnelt dem Brihadeswara Tempel in Thanjur. Die beeindruckende Architektur umfasst unglaubliche Skulpturen aus Granitstein von Nataraja, dem tanzenden Shiva, was mir natürlich am besten gefällt, aber auch von Shiva und Parvati und Sarasvati, die Göttin der Bildung. Das Linga im Sanktum ist das grösste in Südindien. Wir wanderten um den Tempel herum und konnten nicht genug staunen über die Bildhauerarbeiten damals um 1020, die den Körpern eine fliessende Bewegung gaben, dass es wie geschnitzt aussieht.

Und dann brachen wir auf nach Auroville. Ich hatte es ja schon vor einem Jahr besucht. Syed hatte nie etwas davon gehört – und war vom ersten Moment an begeistert vom dem Konzept der Gleichheit aller Völker. Menschen aus aller Welt versuchen, friedlich auf ökologischer Basis, in einer spirituellen Gemeinschaft zusammen zu leben. Zum Meditieren kann man unter anderem unter einem grossen Banyanbaum sitzen oder ins Matrimandir gehen. Per Teleskop fällt ein einziger Lichtstrahl in eine völlig weisse Meditationshalle mit weissen Säulen und weissen weichen Teppichen und Sitzkissen. Keine Figuren, nur der Lichtstrahl. Das entspricht auch Syeds islamischen Glauben, sich kein Bild von einem persönlichen Gott zu machen.

Auf einem kleinen Motorrad – ich auf dem Rücksitz – erkundeten wir die entlegensten wunderschönen Häuser und besuchten diverse interessante Projekte in Auroville. In kürzester Zeit hatten wir fast alles gesehen. Syed war begeistert, wie viele interessante Leute er hier treffen konnte, die die gleichen Interessen haben wie er. Er bewarb sich um einen Forschungsauftrag über Biospiritualität – und erhielt ihn auch sofort nach einem 1-stündigen Gespräch. Ich musste auch erst einmal nachschauen, was das ist:

„Biospiritualität ist der sanfte Weg zur „Weisheit des Körpers“, seinem Erleben, seinen Bildern und Symbolen, seiner Verbundenheit mit dem, was über uns hinaus geht. Einfache Übungen der Körperwahrnehmung führen zu heilsamer Selbstveränderung. Dieses körperlich Gespürte steht in tiefem Kontakt mit unserem Sein. Wer sich auf diesen Prozess einlässt, für den kann jedes Ereignis zu einem ganz besonderen wundervollen Erleben werden.“

Nach diesem Schritt hatte ich das Gefühl, dass wir eine gegenseitige Mission zu erfüllen hatten. Syed war mir so dankbar, dass ich ihm diesen Ort gezeigt hatte und ich, weil er mich so problemlos durch Südindien begleitet hat.

Mit lieben Grüssen
Beatrice

Feb 15 2008

Südindien: Thanjavur, Tiruvarur, Srirangam, Trichy, Kumbakonam


Publiziert in Weltreise 2006-2008 von Beatrice

Liebe Freunde,

Als ich am Meer, im gemütlichen Varkala war, habe ich mich entschieden, die restlichen drei Wochen in Indien sollen sehr leicht und einfach für mich verlaufen. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, wie… mit dem vielen Gepäck! – doch das Göttliche ist einfallsreich, muss ich feststellen.

Mit Syed ist es eine Freude zu reisen. Er nimmt mein Gepäck, spricht Tamil, weshalb ich nicht mehr herum zu fragen brauche, in welchen Bus ich steigen muss und noch Zweifel haben, ob ich die richtige Antwort bekommen habe. Ausserdem weiss er als Moslem über all die Hindu-Tempel so gut Bescheid und kann mir alles genau erklären. Schon seine Mutter hat ihn mit in die Hindu-Tempel genommen. Seiner Schwester, die in Kanada lebt, malte er eine Hochzeits-Einladung mit einer Moschee, einem Hindu-Tempel und einer christlichen Kirche. Ich war beeindruckt, so sollte das Leben sein. Er weiss einfach alles, na ja, als Journalist ist er an allem interessiert, so auch mit einer westlichen Backpackerin in Indien herum zu reisen und Tempel zu besichtigen. Für ihn eine ganz neue Erfahrung, denn wir Westlichen werden doch ganz anders behandelt. Er staunte oft.

In Thanjavur übernachteten wir im Hotel „Valli“, erwähnenswert weil es ruhig, zentral gelegen und sauber ist. Von hier aus besuchten wir mit dem Bus die verschiedenen Tempel, jeden Tag einen anderen – und assen anschliessend im herrlich klimatisierten Restaurant. Man muss sich doch etwas gönnen, nach den langen Busfahrten und Besichtigungen.

Gestern überraschte mich Syed. Als ich im Internet-Cafe sass, hat er sich ein T-Shirt gekauft mit einem Aufdruck mitten im Schweizer Kreuz: „100 % Swiss!“ Ich musste so lachen: Ich im indischen Punjabi-Dress und er als Inder mit brauner Haut mit T-Shirt und 3/4 langer Freizeit-Hose westlich bekleidet. Ein Schweizer aus Pfäffikon in unserem Hotel lachte und machte ein Foto von uns. Da ich von den verschiedenen Tempeln, die wir besuchten, sooo viele Fotos gemacht habe, zähle ich sie mal alle auf, damit ich später die Fotos zuordnen kann. Syed posierte so gern und freute sich darüber, am Ende unserer gemeinsamen Reise eine Kopie von den Fotos zu erhalten.

Thanjavur ist vor allem für ihren Beitrag zu Musik und Tanz bekannt, da sie viele klassische Musiker und Bharathanathyam Tänzer hervorgebracht hat. Zuerst besuchten wir den Brihadesvara-Tempel, Wahrzeichen der Stadt, der 1010 fertig gestellt wurde. Die Anlage besticht durch Kühnheit der Konzeption, perfekte Symmetrie und handwerkliche Vollendung. Der pyramidenförmige Tempelturm besteht aus Granit, ist 66 m hoch und hat seine tausendjährige Geschichte unbeschadet überstanden. Er wird von einem Kuppelaufsatz aus einem einzigen Granitblock von etwa 80 Tonnen gekrönt. An den Innenwänden des Sanktums sind 108 Tanzpositionen dargestellt. Im Sanktum befindet sich das mit 3.50 m Höhre und fast 7 m Umfang grösste Linga Indiens. Auf der Innenseite des Säulengangs der Umfassungsmauer sind zudem in Nischen 108 schwarze Lingas aufgestellt. Er gilt als einer der grossartigste Tempel, die je in Indien erbaut wurden. 1997 wurde der Tempel zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt.

Im weitläufigen Nayak Palast befinden sich eine Kunstgalerie mit über hundert wunderschönen Bronzen aus der Chola-Zeit, unter anderem von Shiva und seiner Gefährtin Parvati, und die Sarasvati Mahal Bibliothek, mit einer Sammlung kleinster seltener Palmblatt-Manuskripte. Ausserdem besitzt die Bibliothek 40000 Bücher mit religiösen, philosophischen und schöngeistigen Inhalten. Interessant waren auch alte Stiche von London und Amsterdam, die der König gesammelt hat. Ausserdem baute er einen 7 km unterirdischen Fluchtweg für seine Familie. Von den beiden Türmen des Palastes hat man eine wunderbare Aussicht auf den Fort und die Umgebung.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Tiruvarur. Hier befindet sich auf einer Fläche von mehr als 20 Hektar der grösste Shiva-Tempel Südindiens mit einer 1000-Säulen-Halle. Der grössten Tempelwagen Tamil Nadus lockt bei den Festivals in den Monaten März-April ein grosses Publikum an. Ausserdem finden hier jedes Jahr im Januar internationale Musikfestivals statt.

Am darauf folgenden Tag trug uns der Bus nach Srirangam mit dem grössten Vishnu-Heiligtum Südindiens. Er ist einer der grössten Tempelkomplexe Indiens. Es ist eine riesige Tempelanlage mit Wohnvierteln und Basaren, 21 Gopurams, pyramidenartige Tore mit den vielen Skulpturen, die die indischen Legenden erzählen. Der 72 m hohe Torturm am Haupteingang ist der höchste in Asien. 7 Ringmauern umschliessen das Allerheiligste. Im Hauptheiligtum wird er „Schlafende Vishnu“ verehrt. Seit Jahrhunderten ist er ein Wallfahrtsort. Srirangam bezeichnet sich als grösster Hindu-Tempel der Welt, weil sich die Tempelanlage über eine Fläche mit einem Umfang von 4 km erstreckt. Angkor Wat ist der grösste Hindu-Tempel der Welt, aber nicht mehr in Betrieb.

In der 1000-Säulen-Halle werden die 4000 Verse der heiligen Sänger des Mittelalters rezitiert, begleitet von anmutigen Tänzen. Die Pferdehalle ist eine besondere Meisterleistung der südindischen Bildhauer- und Baukunst: die faszinierenden Skulpturen an den Säulen variieren das Thema von Reitern auf sich dramatisch aufbäumenden Pferden. Über Treppen gelangt man hinauf zu einer von der Sonne erhitzten Terrasse, auf der wir von einem Fuss auf den anderen hüpfend die herrliche Aussicht auf die Tempelstadt geniessen konnten. Auf dem Weg aus dem Tempel hatten wir ganz unsere Schuhe vergessen, die man immer am Tempeleingang ausziehen muss. Plötzlich fiel uns ein, dass die ganz an einem anderen Eingang lagen – und Syed musste zurück und sie holen.

Auf dem Rückweg besuchten wir noch Trichy/Tiruchirappalli mit dem Rock-Fort, das 1660 auf dem 84 m hohen Hügel erbaut wurde. Auf dem Weg hinauf kommt man an Skulpturen in Höhlentempeln aus dem 7. Jh. vorbei. Von oben bietet sich eine wunderschöne Aussicht auf die tropische Landschaft und den Fluss in der Ferne.

Heute nun fuhren wir Kumbakonam, die wegen der grossen Anzahl von Tempeln als Tempelstadt bezeichnet wird. Nachdem wir nach der langen Busfahrt uns erst einmal wie üblich uns eine Kokosnuss zu Gemüte geführt hatten, besuchten wir den Sarangapani-Tempel. Wir kamen gerade rechtzeitig, als sie die Götterfiguren auf einen Wagen luden, um sie durch die Stadt zu fahren. Ich durfte sogar die Flamme halten, mit der sie Götter segnen. Selbst Syed war verblüfft, ich auch. Wir waren die einzigen Touristen. Dann ging es mit der Riksha weiter zu einem der ältesten Tempel, dem kleinen Nagesvara-Tempel mit wunderschönen Skulpturen. Ich durfte mit ins innerste Heiligtum. Aber am schönsten war für mich der kleine Darasuram-Tempel, 4 km ausserhalb der Stadt. Als wir dort ankamen war er zu, aber dann öffneten sie ihn extra für uns. Dieser Shiva-Tempel aus dem 12. Jh. gilt als Meisterwerk seines Jahrhunderts und wir bewunderten die Schönheit seiner Skulpturen.

Morgen geht es mit dem Bus weiter nach Chidambaram.

Mit lieben Grüssen
Beatrice

Feb 10 2008

Südindien: Madurai, Kodaikanal


Publiziert in Weltreise 2006-2008 von Beatrice

Liebe Freunde,

In Madurai angekommen, wollte ich mir zuerst unbedingt noch die Berge anschauen. Also fuhr ich mit einem Reisebus am nächsten Tag nach Kodaikanal. Es war zwar alles Wolken verhangen, aber ab und zu bekam man die Berge zu sehen. Wie bei uns ging es auf einer kurvenreichen Strasse auf 2100 m hinauf. Es wurde angenehm kühl. Meine Nachbarn, eine Grossfamilie aus Bengalen, sprach kein englisch. Deshalb setzte ich mich beim Frühstücks-Halt zu den einzigen Westlern. Sie kamen aus Russland und hatten sich, wie in Indien üblich, schon mit einem weissen Tuch, einem Dhoti, bekleidet. Sie hatten in den sechs Tagen, da sie in Indien sind, schon sechs Tempel besichtigt. Ist doch erstaunlich. In Kodaikanal stiegen sie aus.

Wir anderen machten unser Besichtigungsprogramm. Ich verstand nichts, weil unser Reiseführer alles in Hindi erklärte. Da kam mir Hari, ein Inder, zu Hilfe, bestes Englisch. Mit seiner frisch angetrauten Frau aus Madras war er auf Honeymoon-Reise. Er konnte mir alles erklären. Wie erstaunt war ich, als er mir auf meine Frage hin, erzählte, dass der Film, der die ganze Zeit im Bus lief: „Spiderman“, auf Tamil synchronisiert war, auch der Titel, und dass sie beide die zwei einzigen im Bus waren, die das verstehen konnten, denn auch die Leute aus Bengalen verstanden ja nichts. Er musste so lachen. Na sowas! Alle Filme werden auf Tamil synchronisiert, nicht auf Hindi, die Landessprache. Ja, warum auch nicht! Bei uns wird ja auch alles auf Deutsch synchronisiert. Wir hatten eine fröhliche Zeit zusammen. Seine Frau kannte er natürlich noch nicht, die Hochzeit war erst gestern gewesen. Hier wollten sie nun ein paar Tage verbringen.

Wir fuhren zu einem Ort, da hiess es beim Aussteigen, hier gibt es Schokolade zu kaufen. Na, wo war ich denn hier gelandet, in der Schweiz? Jeden Tag wird die Schokolade mit Nüssen und allen möglichen Variationen frisch hergestellt. Mit einem Ladenbesitzer kamen ich ins Gespräch, als ich seine süssen Auslagen fotografierte. Ich solle ihm die Fotos und Schweizer
Schokolade senden. Na klar, wird gemacht. Aber ob die Schokolade heil ankommt, bezweifle ich.

Ein grosser See in den Bergen, mit vielen Ruderbooten, war auch noch zu bewundern. Ein richtiger Ort, um dort den Honeymoon zu verbringen!

Auf der vier-stündigen kurvigen Rückfahrt, nahm ich ein etwa 10-jähriges Mädchen aus der Grossfamilie auf meinen Schoss, da sie keinen Platz hatte. Sie schlief bei mir ein. Beim Aussteigen gaben mir alle Bengalen die Hand, obwohl wir kaum miteinander gesprochen hatten und bedankten sich. Einfach toll!

Am nächsten Morgen traf ich Syed wieder und er zeigte mir den berühmten Minakshi-Tempel in Madurai. Er ist riesengross. Wir betraten den Tempel mit der 6 m hohen Aussenmauer, durch einen der vier, aus weiter Ferne sichtbaren, 46 m hohen Tortürmen, gopuram, verziert mit unglaublich vielen farbenfroh bemalten Göttern, Dämonen, Asketen, Tempelwächtern, Tieren und Fabelwesen aus Stuck. Er wurde zwischen dem 16. und 18.Jh. erbaut, doch einige Teile sind sehr viel älter. Im Innern des Tempels befinden sich ca. 33000 Götterdarstellungen aus Stein und Stuck. Wir gingen durch die Halle der 1000 Säulen, mit monolithischen Granitpfeilern, mit Skulpturen von Reitern, berittenen Löwen, sowie Fabelwesen, Göttern und Helden aus der Hindu-Mythologie. Syed setzte sich auf ein paar Treppenstufen und sang. Nebendran ass eine Familie ihr Picknick. Ich genoss die sakrale Atmosphäre in der dämmerigen Halle. Das ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man bedenkt, dass dieser Tempel schon vor 3600 Jahren seinen Anfang nahm. Madurai heisst: “ die Süsse“, weil am Tag der Errichtung der Vollmond die umgebende Landschaft sanft beleuchtete.

Am nächsten Morgen besuchten wir zuerst den prächtigen Nayak Palast, erbaut 1636 im indo-sarazenischen Stil. Nayak rief neue Freude ins leben. Unglaublich die hohen Säulen und vielen Steinhauer-Arbeiten! Eine Kuppel von 20 m Durchmesser überwölbt den Thronsaal. In der Tanzhalle befinden sich wunderschöne Skulpturen. Ich war so fasziniert! Und auch von dem Minakshi Tempel, den wir schon gestern besichtigt hatten. Heute, am Sonntag, wollte ich nochmals dorthin.

Wir trafen auf Menschenmassen in bester Sonntagsstimmung an. Ganze Familien sassen auf dem Tempelgelände, assen ihr Picknick und freuten sich des Lebens. Und dann die vielen Hochzeitspaare! Unglaublich! Ich durfte mindestens zehn von ihnen in schönstem Blumenschmuck und golden-verzierten bunten Saris fotografieren. Sie lachten und war stolz, fotografiert zu werden. Ich kam wieder mal genau richtig. Wir sassen lange auf den Treppenstufen zum heiligen Teich des Goldenen Lotus, wie so viele andere Menschen auch, und beobachteten das lebhafte Treiben.

Was für ein Tag! Ich bin im Element. Übrigens hat es aus Kübeln geregnet. Die Strassen sind überschwemmt – und man muss mit hoch gezogenen Hosenbeinen durchs Wasser waten. Seit dem Tsunami spielt das Wetter verrückt, sagen die Inder. Um diese Jahreszeit ist Regen ungewöhnlich – aber mir scheint, dem trockenem Land tut er gut.. Morgen geht es mit dem Bus weiter.

Also bis zum nächsten Mal.

Liebe Grüsse sendet euch
von Beatrice

Feb 10 2008

Südindien: Kanyakumari


Publiziert in Weltreise 2006-2008 von Beatrice

Liebe Freunde

Mit der Auto-Rikscha fuhr ich am nächsten Morgen zum Bahnhof. Ich war gut ausgerüstet mit einer Fahrkarte mit reserviertem Platz. Da konnte nichts passieren. Wie immer war ich eine Stunde zu früh da. Macht nichts, ich liebe es, die Menschen im Bahnhof zu beobachten. Ein Advokat, Hakkim, wie er sich später vorstellte, setzte sich zu mir. Wir hatten so ein lustiges Gespräch, er brachte mich ständig zum lachen! Ich sagte zu ihm, aber bei seiner Arbeit, müsse er doch ernst sein. Nein, nein, lachte er sich halb kaputt, er nehme nichts im Leben ernst. Er behalte keine Sorgen und Ängste in seinem Kopf, das sei unnötig. Er spreche immer aus der Intuition heraus. Ich war verblüfft, aber glaubte es ihm sofort. Glücklichsein ist die beste
Medizin. Das sah ich ihm an.

Er meinte, das Geld für den reservierten Platz sei zum Fenster hinaus geworfen. Das konnte ich nicht verstehen. Dann fuhr der Zug ein. Alles stürzte sich auf die Türen. Hakkim schaffte es meinen Koffer und Tasche hinauf zu befördern. Das war’s. Für mich war kein Platz mehr. Proppevoll. Der Zug pfiff – und ich stand draussen. Ich dachte, ich kann unmöglich auf der Treppe bei der schnellen Fahrt stehen. Hakkim drückte noch ein wenig nach innen – und so hatte ich schlussendlich an der offenen Tür Platz. Nein sowas! Fotografiert hatte ich solche heraus quellenden Menschenmengen an den Waggons schon oft. Aber dass ich einmal in dieselbe Situation kommen würde…

Noch grösser wurden meine Augen, als an der nächsten Station, ungelogen, sich nochmals zwanzig Leute hinein pressten. Wie, ist mir ein Rätsel. Ich wurde immer weiter ins Wageninnere geschoben, konnte kaum noch atmen. Ich schloss die Augen – danach ging es mir schon besser. Umfallen konnte ich ja nicht. Die jungen Männer mit Aktentaschen unterm Arm fuhren zur Arbeit. Jeden Tag machen sie das durch. Sie lachten und hatten fröhliche Gespräche. Auch mich bezogen sie mit ein und nickten mir freundlich aufmunternd und entschuldigend zu. Es waren auch noch andere indische Frauen dort eingeklemmt.

Mit einem hübschen Musiker neben mir kam ich ins Gespräch. Er hatte nach drei Jahren seinen Freund aus seinem Dorf wieder getroffen. Sie hielten sich umschlungen und lachten ununterbrochen. Ich weiss nicht, was man sich dauernd so lachend erzählen kann! Ich erlebe das viel in Indien. Auch die anderen Männer sah ich Hände haltend, immer wieder sich freundschaftlich berührend. Welch ein Unterschied zu uns. Mit der Zeit gefiel es mir.

Nach einer Stunde Fahrt, in der Hauptstadt Tivandrum angekommen, leerte sich praktisch der ganze Zug. Ich wollte ja an die südlichste Spitze Indien, nach Kap Komorin, noch drei Stunden Fahrt. Meine Koffer hatte ich lange nicht mehr gesehen – aber da standen sie unversehrt am Eingang des Zuges. Und wer kam in mein Abteil, das nun völlig leer war: Eine Schweizerin aus Luzern, Ursula, mit ihrer 5-jährigen quirligen Tochter. Wieder so ein toller Zufall. So ich konnte sogar mal wieder Schwyzerdütsch reden. Langweilig wird mir tatsächlich nie.

Morgens um neun Uhr machte ich mich auf den Weg zur Bootsstation, um zur Gedenkstätte des grossen indischen Weisen Swami Vivekananda auf einer Insel hinüber zu fahren, wo er 1892 meditiert hatte, bevor er 1893 am Weltkongress der Religionen in Amerika über die Liebe in allen Religionen sprach: ‚Hilfe und nicht Kampf‘, ‚Gegenseitiges Durchdringen und nicht Zerstörung‘, ‚Harmonie und Frieden und nicht Widerspruch‘. Seine Rede wurde zum viel umjubelten Auftritt als strahlender Vertreter indischer Religiosität. Seine Reisen finanzierte der Maharaja von Mysore.

Als ich an der Bootsanlegestelle ankam – na sowas – war ich nicht die einzige – schon 300 Leute vor mir. Ein Kellner hatte mir in Varkala gesagt, als ich ihm erzählte, das ich nach Kanyakumari will, das sei ein sehr touristischer Ort. Auf der Fahrt hierher war ich gespannt. Wie hatte er das eigentlich gemeint? Westliche oder indische Touristen. Es waren indische Touristen aus ganz Indien, bewaffnet mit Fotapparat und Videokamera wie ich. Ich sah ein buntes Völkergemisch vor mir.

Schnell kam ich beim Warten mit den Umstehenden ins Gespräch. Einen wild aussehenden prächtigen Mann mit seiner Familie aus Rajasthan hätte ich so gern fotografiert – aber er wollte nicht, als ich ihn fragte. Das respektiere ich. Trotzdem durfte ich die wunderschön mit Henna bemalten Hände seiner etwa 20-jährigen Tochter fotografieren, die sie mir stolz zeigte.

Nach 1 1/2 Stunden warten – fast wie sonntags in der Schweiz beim Skifahren – konnten wir endlich ins Boot steigen. Jeder bekam bei dem hohen Wellengang eine Schwimmweste. Über den bunten Saris sah das so lustig aus. Wir schlingerten hinüber. In der Meditationshalle mit der Statue von Vivekananda angekommen, fühlte ich sofort eine wunderbare Energie. Das diese nach über 100 Jahren noch so spürbar ist, erstaunte mich sehr – oder ist es die hingebungsvolle Andacht der Inder und Inderinnen?

Auf der nächsten Insel ist die 40 m hohe Statue von Thiruvalluvar zu bewundern, dem Verfasser eines von den Tamilen hoch geschätztem ethischem Werkes der Weisheit, bekannt als Thirukkural, geschrieben im zweiten Jh.v.Chr. Die Statue ist riesig, allein seine Füsse sind überdimensional.

Von meinem Fenster aus kann ich auf das Meer schauen. Hier treffen das Arabische Meer, der Golf von Bengalen und der Indische Ozean aufeinander, so heisst es in meinem Reiseführer. Aber was soll ich euch sagen, nirgends sehe ich ein Aufeinanderprallen von Wassermassen. Ich war richtig enttäuscht. Ich sah nur Wasser, nicht einmal in verschiedenen Farben!

Am Abend ging ich zum Kanyakumari-Tempel, neben dem ich wohne – schon morgens um vier Uhr höre ich die Tempel-Gesänge. In meinem Reiseführer heisst es: Zutritt nur für Hindus. Aber mal schauen! Kein Problem. Ich durfte hinein. Ich kaufte duftende Jasmin- und Rosenblüten und brachte sie der Jungfrau Kanyakumari dar. Von dem Tempeldiener erhielt ich anschliessend gesegnete Blüten fürs Haar in meine Hand, deshalb sehen die indischen Frauen mit ihrem langen schwarzen Haaren mit Blumen geschmückt immer so schön aus – und ich durfte sogar drinnen meditieren!

Abends kann man von der südlichsten Spitze Indiens zur gleichen Zeit den Sonnenuntergang und den Mondaufgang sehen, morgens in umgekehrter Reihenfolge. Leider war es bewölkt. Aber allein schon die vielen Pilger zu beobachten, wie sie im Wasser ein Bad nahmen, war eine Augenweide. Dann las ich in meinem Zimmer mit Blick auf den Tempeleingang und das Meer das Buch von Paulo Coelho:“Der Alchemist“. Das Buch ist schon in 64 Sprachen übersetzt. Ein wunderschönes Buch! Sehr zu empfehlen!

Dazwischen beobachtete ich von meinem Fenster im ersten Stock die etwa 15 Bettler auf dem Tempelgelände. Ich sah, wie sie für die Nacht eine dünne Decke ausbreiteten und sich einen Platz auf dem Asphalt suchten. Die meisten lagen dicht beieinander. Morgens um vier Uhr sassen sie schon wieder auf ihrem Platz, dort wo alle Gläubigen vorbeigehen. Ich wollte das mal genau sehen. Die meisten gaben nichts, ab und zu mal ein paar Rupien. Aber von den Swamis des Tempels bekam immerhin jeder sein Essen.

Dann sah ich, wie ein junges westliches Paar bei ihnen stehen blieb und aus ihrem Rucksack etwa 15 T-Shirts hervor holten. Jedem Bettler gaben sie eines. Als sie wieder weg waren, befühlten sie die T-Shirts und wussten sie nicht recht, was sie damit anfangen sollten, denn sie hatten ja indische Bekleidung, entweder Sari oder Dhoti, an. Ein Ladenbesitzer kam vorbei und kaufte ihnen alles ab. Nun hatten sie ein paar Rupien.

Ich war nun schon so vertraut mit ihnen geworden, dass ich beschloss, wenigstens ihnen jedem 10 Rp, ca. 23 Rappen, für Indien viel Geld, zu schenken. Gesagt, getan. Sie strahlten mich an – und wann immer ich wieder an ihnen vorbei ging, bettelten sie nicht mehr, sondern lachten mich freundlich an und legten die Hände zum Gruss aneinander. Sogar beim Abschied, als ich in die Riksha stieg, winkten sie mir noch lange hinterher. Darüber freute auch ich mich.

Aber vorher wollte ich mir noch andere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung ansehen. Nach meinem Intermezzo mit dem Zug leistete ich mir der einfacher halbe mal wieder ein Taxi. Zuerst fuhren wir zum Suchindrum-Tempel. Diese Pracht! Hunderte von Säulen im Inneren Tempels, alle mit kunstvollen in Stein gearbeiteten wunderschönen Figuren versehen aus dem 9.Jh. Ich war sehr beeindruckt. Jedes Mal wenn ich mich ins Innere eines Tempels begebe, taucht plötzlich von irgend woher ein Swami auf, führt mich herum und erklärt mir alles. Das ist natürlich sehr angenehm. Bei einer grossen Hanuman-Statue durfte ich mir etwas wünschen. Es ist übrigens in Erfüllung gegangen. Ausserdem gibt es vier Säulen aus einem einzigen Granitblock gehauen, die ertönen, wenn man sie antippt.

Weiter ging es zum Padmanabhapuram-Palast aus dem 17.Jh. Alles aus Teak-Holz errichtet, so das der Wind durch die Aussparungen gut darin zirkulieren kann, und es immer angenehm kühl bleibt. Unglaublich, wie alles durchdacht ist. Ein Meisterwerk hochentwickelter Architektur Keralas. An der Decke aus Holz sind Ornamente von 90 verschiedenen Blütenmustern geschnitzt. Der Boden der Audienzhalle ist mit einer Mischung aus zerkleinerten Kokusnuss-, Eierschalen und Pflanzensäften poliert, so dass er glänzt und man vorsichtig darauf gehen muss, nur mit nackten Füssen kann man problemlos drauf laufen. Das Bett des Königs ist aus 64 verschiedenen medizinalen Hölzern gemacht und duftet immer noch. Ich traf viele vom Bootstrip vom gestrigen Tag wieder und wir begrüssten uns wie alte Freunde.

An diesem Abend hatte ich gar keine Lust, schon wieder beim Dunkelwerden um 19 Uhr auf mein Zimmer zu gehen. Am liebsten hätte ich irgendwo etwas getrunken, aber das gibt es hier nicht. So schaute ich mir die Statue von Vivekananda am Strand an, da sprach mich ein Inder, Syed, 41 Jahre alt, an. Wir kamen ins Gepräch und setzten uns auf die Treppenstufen, um die hell erleuchten Statuen im Meer beim Dunkelwerden anzuschauen und zu reden. Er ist Journalist am Radio von Madras, wurde in Dubai ausgezeichnet für seine Gedichte. Ein Foto von der Übergabe der Urkunde zeigte er mir, und auch den Brief, in der er in der Gemeinschaft der Dichter aufgenommen wurde. Ein interessanter Mann. Er sang für mich sogar indische Gesänge. Ich war glücklich.

Wir vereinbarten, uns in Madurai wieder zu treffen, denn auch ihn interessierten die Tempel, die er mal in seiner Studienzeit besucht hatte. Was für eine Fügung! Das erleichtert alles für mich, mit einem Einheimischen, der sich auskennt und die Sprache spricht, weiter zu reisen.

Mit lieben Grüssen
Beatrice

Jan 27 2008

Südindien: Varkala


Publiziert in Weltreise 2006-2008 von Beatrice

Liebe Freunde,

ich habe meine Ayurveda-Kur um eine Woche verlängert, weil sie mir so gut tut. Ich habe fast keine Rückenschmerzen mehr – und da befand ich, wenn ich schon mal hier bin…Wer weiss, ob ich nochmals nach Indien komme.

Mit Martina hatte ich kulinarische Highlights. Man muss zwar immer lange warten, vielleicht eine Stunde – dafür schmeckt das frisch zubereitete Essen aber auch unübertrefflich. Wir gingen in in Jonny‘ s Cafe – der beste Koch in Varkala – und lagen, bis das Essen fertig war, in Hängematten. Ja, so lässt es sich leben. Gestern Abend war Martinas Abschiedsessen. Dazu gingen wir wieder ins Art-Cafe und bestellten uns Sizzler oder so ähnlich. Das vegetarische Essen an herrlicher Sauce wurde uns auf einem Tablett in einem grossen Kohlblatt, zischend in einer Wasserdampfwolke am Tisch serviert!

Wir lernten hier einen Amerikaner, Crest, kennen. Der hat in seinem Leben schon alles gemacht, wie mir scheint. Ein paar Jahre in einem atomaren Unterseeboot gedient, Qualitäts-Lastwagenreifen aus Deutschland nach Indien verkauft, Touristen von Nepal nach dem Iran gefahren, usw, und seit zwanzig Jahren meditiert er in Rishikesh. Interessant, gell!

Aber nun kommt das Beste. Wit lernten Jana in Ammas Ashram kennen und nun tauchte sie auch hier auf, wie so viele andere aus dem Ashram, weil Amma durch Indien reist. Sie begrüsste uns herzlich – und nun ratet mal, wo sie herkommt? Aus Haale in Schleswig-Holstein, zwei Dörfer weiter entfernt, wo ich aufgewachsen und meine Kindheit verbracht habe. Kaum zu glauben, dass sie das kleine Nest Brinjahe mit ca.100 Einwohnern kannte.
Ach war das schön, von der Heimat zu plaudern – und das im tiefsten Süden Indiens. Ja, so gibt es immer Überraschungen.

Die nächste Überraschung war ein wunderschönes Tempelfest, von dem ich zufällig erfuhr. Ich bin ja immer so erstaunt, wie ich zu den Informationen komme. Ich war ja nur mit einer Riksha zum Geld aus einem ATM herauslassen, gefahren – wie praktisch! – und beim Aussteigen fragte mich ein anderer Fahrer, ob ich morgen abend ein Tempelfest sehen wolle. Ja natürlich! Und weil ich mit Karin und Jürgen aus Leipzig, beide in meinem Alter, abends noch etwas trinken war, erzählte ich es ihnen. Keine Frage, sie wollten sofort mitkommen. Jürgen hat vor drei Jahren Indien mit Fahrrad bereist, an der Küste entlang von Norden nach Süden, und dort geschlafen, wo die Lastkraftwagenfahrer schlafen, auf einer Pritsche – gratis, nur essen muss man dort.

Also fuhren wir drei am nächsten Nachmittag mit der Rikscha über holprige Strassen dorthin. Wir kamen gerade rechtzeitig. Ein riesiges Volksfest! Die Menschen tanzten auf den Strassen zu Trommel- und Blasmusik. Wir folgten fünf prächtig geschmückten Elefanten zum Tempel, da waren schon mindestens 3000 Menschen auf dem Tempelareal. Und eine Stimmung! Eine
grosse Statue wurde von Hunderten jungen Männern auf zwei langen Holzbalken getragen und von anderen Männern zu beiden Seiten an Seilen festgehalten. Und dann ging es los. Jede Seite wollte die andere übertrumpfen. Unter Gejohle warfen sie ihren Balken in die Höhe, so dass die Statue fast kippte. Ein Geschrei! Dann hatte die andere Seite wieder die Oberhand. Alle schauten zu. Jürgen und ich knippsten drauflos. Wir waren fast die einzigen Westlichen. Jürgen war so begeistert. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was für ein Fest!

Zurück in Varkala genoss ich noch die letzten Sonnenuntergänge und trank frisch gepressten Ananassaft am Strand. Martina war inzwischen wieder nach Deutschland zurück geflogen. Und welch ein Zufall. Plötzlich sprach mich beim Mittagessen auf dem Kliff eine Frau an, ob ich Artur kennen. Ich war so verblüfft, hier jemanden von den Seminaren mit Artur zu treffen. Karin kommt aus Österreich und hatte mich schon ein paar Mal auf der Riederalp in Deutschland gesehen. Nun konnten wir uns hier in Indien ausführlich miteinander unterhalten. Ich staune, wie Indien die Menschen zusammen führt. Ist ja auch irgendwie klar, weil wir Westliche hier in der Minderzahl sind.

Am letzten Abend verabschiedete ich mich von den Ladenbesitzern, Kellnern und Nachbarn, mit denen ich mich täglich unterhalten hattte. Bis zum nächsten Jahr! meinten sie. Etwas Überwindung kostete es mich schon, mich wieder ins indische Getümmel zu stürzen. Aber die Neugier überwiegt. Ich möchte unbedingt noch etwas mehr von Südindien sehen. Und nachts regnete es ununterbrochen – Abschiedstränen? Ich bedauerte all die Männer in ihren Fischerbooten, die jede Nacht rausfahren und mit Scheinwerfern die Fische fangen. Jetzt muss es kalt und nass in den Booten sein. Erst beim Morgengrauen kehren die ca. 300 Boote heim.

Mit lieben Grüssen
Beatrice

Jan 15 2008

Südindien: Amritapuri, Varkala


Publiziert in Weltreise 2006-2008 von Beatrice

Liebe Freunde,

nachdem ich das Ayurveda-Center bei Cochin mit dem Taxi nach Aleppo verlassen hatte, bestieg ich ein Boot für ungefär 30 Personen nach Amritapuri. Martina hatte mir alles genau erklärt. Es war eine herrliche Fahrt auf Deck durch die Backwaters, durch die von Palmen gesäumten Wasserstrassen, durchbrochen von kleinen Hütten am Ufer. Links in eine Wasserstrasse einbiegend, rechts einbiegend. Der Kapitän muss sich auskennen. Zwischendurch gab es einen Mittagshalt. Und irgendwann sah ich dann in der Ferne die pinkfarbenen Hochhäuser von Ammas Ashram, auf die mich meine Begleiterin schon aufmerksam gemacht hatte.

Martina erwartete mich am Landungssteg – und so ging alles ganz einfach für mich. Man schläft hier in den Hochhäusern in Viererzimmern auf ganz dünnen Matrazen, die auf einem Holzbrett aufliegen. Martina hatte zuerst auf dem Boden geschlafen, weil alles voll war. Einzelzimmer gibt es keine. Ich bat um ein gutes Bett – und siehe da. Es klappte mal wieder. Ich landete in einem Viererzimmer mit lauter grossen Spiegeln an den Wänden. Nanu, was soll denn das? Dann klärte mich Uma aus Finnland auf, die ich schon vom Anandashram her kannte, dass dort eine Pantomimin wohne, der das Zimmer gehört. Ich staune ja, dass mein Rücken alles problemlos mitgemacht hat.

Aber nach drei Tagen hatte ich genug von dem Rummel. Es war doch eine rechte Umstellung nach dem beschaulichen Leben im Ayurveda-Center. Amma gibt unermüdlich Darshan, das heisst sie umarmt die Menschen, die sie um einen Segen bitten. Es beginnt morgens um 10 Uhr. Dann kommen die Inder aus allen Landesteilen dran, die meist Tagesgäste sind. Das geht bis 17 Uhr – und dann sind wir Westlichen noch ca. vier Stunden dran, weil wir dort übernachten. Es ist unglaublich, wie sie es schafft, tausend Menschen an einem Tag zu umarmen, ohne zu essen und zu trinken. Von uns, die wir im Ashram übernachten, wird erwartet, dass wir zwei Stunden am Tag für den Ashram arbeiten. Ich rührte die Milch für den Joghurt in einem riesigen Kessel an. Alle Arbeiten beruhen auf freiwilliger Basis. Die Einnahmen für die Übernachtungen geht an die Armen: 5 Waisenhäuser, etliche Spitäler, Katastrophenhilfe, sie hilft den Farmern in Indien, etc. Sie hat sogar eine Beraterfunktion bei der UN.

Wir machten uns also wieder auf den Weg – und wollten uns noch ein paar Tage in Varkala am Strand erholen. An der nächsten Busstation, wohin wir mit der Rikscha fuhren, kam ein Bus nach dem anderen, der nach Tivandrum fuhr. Alle Menschen stürzten sich auf die überfüllten Busse. Erst beim fünften Anlauf schafften wir es doch noch, mit Ellenbogen uns und unser Gepäck hinein zu wuchten.

Dann kamen wir in Varkala an. Es liegt hoch auf einem Kliff, zum Strand muss man viele Stufen steil hinab steigen. Dazu hatte ich sowieso keine Lust, denn ich hatte mir eine leichte Grippe mit Gliederschmerzen eingefangen. Martina, 45, hatte bei jeder Anstrengung Kopfschmerzen. Da sie diesen Ort schon vom letztem Jahr her kannte – und damals nach einer Ayurveda-Kur hier beflügelt zurück nach Deutschland gefahren war, der Arzt hatte sogar ihr Knie geheilt, befand sie, so könne sie nicht heimkehren. Also ging sie zu ihrem Doktor, der ihr eine 11-tägige Behandlung vorschlug.

Beide waren wir matt und müde – und so dachte ich, das könne auch mir gut tun. So entschied ich mich, auch gleich noch eine zwei-wöchige Behandlung anzuhängen. Auf zur zweiten Ayurveda-Kur bei dem jungen Dr. Albin und seiner Frau Dr. Anju, S.M. Ayurveda ! Hier kann ich mir das wenigstens leisten. Zwei Wochen für 250 Fr. Dieses Mal schilderte ich dem Arzt meine Rückenprobleme – und ich muss sagen, die Massagen von einer kleinen zierlichen Inderin ausgeführt, sind super. Endlich befasst sich mal jemand mit meiner Wirbelsäule und drückt an den richtigen Stellen. Bin ja gespannt, wie es dieses Mal wird.

Unser Tagesablauf besteht aus Massagen, gut essen, viel erzählen und schlafen. Wir haben beide ein Zimmer mit Meeresblick, 12 Fr. wo ständig ein warmer Wind bläst. Touristen, Läden, Restaurants so weit das Auge reicht. Hier fehlt es an nichts. Als wir uns abends ein Konzert mit Sitar und Trommeln – klassische indische Musik – in einem grossen Restaurant „Art-Cafe“ anhörten, und nichts als westliche Touristen sahen, meinte Martina, sie sei ja froh, dass sie mit der Fahrt im überfüllten Bus, noch das richtige Indien erlebt hatte. Ich musste so lachen.

Trotzdem kann ich auch diese Ayurveda-Klinik in Varkala keinem empfehlen. Es ist einfach indisch. Plastikflaschen überall. Der Dreck wird einfach über das Kliff gekippt, wo man zum Strand runter geht. Verbrennungsanlagen gibt es keine. Wo soll man auch hin mit den Abfällen? Die Gehwege werde sauber geputzt, aber das Papier liegt lose an der Seite und wird vom Wind irgendwohin geblasen. Trotzdem gefällt es mir hier gut, weil die Menschen so freundlich sind.

Gestern sahen wir klassischen indischen Tanz und Bollywoodtanz, aufgeführt von Kindern, die mit Herz und Seel dabei waren. Ich staunte, wie sie den schnellen Rhythmus und die Choreographie intus hattten. Es war ein Augenschmaus. Obwohl man hier alles zu Essen bekommt: Spagetti, Pizza, thailändisch, chinesisch, bestellen wir beide uns immer indische Gerichte und geniessen die herrlich gewürzten Speisen. Auch die Momo-Suppe aus Tibet hat uns herrlich gemundet.

Lasst es euch auch gut gehen!

Mit lieben Grüssen
Beatrice

Jan 7 2008

Südindien: Cochin, Feste


Publiziert in Weltreise 2006-2008 von Beatrice

Ihr Lieben,

mal wieder heisst es Abschied nehmen von all den freundlichen Menschen hier in der Klinik. Es ist unglaublich, wie ihr Lächeln von Herzen kommt, und wie sie den ganzen Tag fröhlich miteinander reden in Malayalam, das ich leider nicht verstehe. Ich würde so gern wissen, über was sie immer lachen können. Um sicher zu sein, ob nur ich allein diese Fröhlichkeit und Herzenswärme empfinde, fragte ich die anderen in der Runde – und sie bestätigten mir das. Es sind einfach heitere Menschen, obwohl sie keine Reichtümer besitzen…

Und feiern können sie! Das Ayurveda-Center liegt in einem kleinen Dorf, 22 km von Cochin entfernt. In jedem der vielen Tempel habe ich jetzt Feierlichkeiten erlebt, mit Lichter-Umzug der Frauen, alle in gelben Saris, Tänze, Trommelklänge, Tanzen der jungen Männer auf der Strasse mit Schweiss überströmtem nacktem Oberkörper, wo nur Männer zuschauten und die Frauen in einem gebührenden Abstand zuschauten, ein grandioses Feuerwerk. Es ist einfach unglaublich!

Überall wurde ich in die Feste mit einbezogen, von den jungen Frauen der Klinik, von Renju und Chinku und ihren Freunden, die sie überall haben. Ich komme mir schon bald wie eine der ihren vor. Auch die Kinder begrüssen mich immer ganz aufgeregt. Bettler gibt es hier keine – eine intakte Dorfgesellschaft in meinen Augen. Ich bin so dankbar, dass ich diesen Einblick in ein indisches Dorfleben haben durfte.

Morgen fahre ich zuerst mit dem Taxi nach Aleppo, und von dort mit dem Boot durch die Backwaters nach Kollam. Diese Reise wurde sogar in meinem Reisefuehrer erwähnt. Auf halbem Weg kann ich in Amritapuri, wo das Ashram von Amma beheimatet ist, aussteigen und wo Martina auf mich wartet. Sie schrieb mir, dass es ihr dort sehr gut gefällt. Zusammen wollen wir nach einer Woche nach Varkala, um den Strand dort zu geniessen.

Deshalb brauchte ich Geld aus dem ATM, um 640 Fr. für drei Wochen Ayurveda-Kur samt Zimmer und Essen zu bezahlen. Nur in Cochin gibt es ein ATM, um Geld rauszulassen. Also fuhr ich mit Joy, dem Leiter der Klinik und gleichzeitig Therapeut, in die Stadt, wo er ein Büro hat und Touristen einen Tagesaufenthalt samt Bootstour, Massage und gutem Essen auf einem Bananenblatt anbietet. Wir bekommen immer richtige Teller. Aber das Essen auf einem Bananenblatt serviert zu bekommen ist sicher etwas Besonderes für die Fremden.

In Cochin wollte mir noch so gern die Kathakali-Tänze, die es nur in Kerala gibt, anschauen. Der Mimik des Tänzers kommt dabei grosse Bedeutung zu. Das kunstvolle Schminken nimmt oft mehrere Stunden in Anspruch, bei dem man zuschauen kann. Die Darsteller spielen und tanzen pantomimisch, von gelegentlichen Urlauten und Schreien unterbrochen, wobei die Handlung von einem Musiker im Hintergrund gesungen wird. Mimik und Gestik sind künstlich erhöht und drücken zum Beispiel Eifersucht, Wut, Liebe und Trauer aus. Meistens sind es Geschichten aus den Hindu-Epen Mahabharata und Ramayana.

Die Show endete erst um 20 Uhr. Es war schon um diese Zeit stockfinster, aber Joy wartete zum Glück vor seinem Büro auf mich. Ein Bus in das kleine Dorf fuhr nicht mehr. Also kam ich mal wieder in den Genuss einer Motorradtour. Kaum sass ich, fuhr er schon los. Ich staunte, dass er soviel Vertrauen in mich hatte, um mich auf der holprigen Strasse mit den endendlos vielen Schlaglöchern auf dem Sitz zu halten. Ich genoss es trotzdem. Es war herrlich in den Sternenhimmel zu schauen und den lauen Wind im Gesicht zu spüren.

Unterwegs erzählte ich von der Riksha-Fahrt mit den jungen Männern aus seinem Dorf, mit denen ich zum Strand gefahren war. Sie hatten mich gefragt, wie denn die Strassen in der Schweiz seien. Ich sagte wahrheitsgemäss: „Perfekt“. Joy, der Deutschland kennt und zwei Jahre dort gearbeitet hatte, erwiderte, so etwas können die sich gar nicht vorstellen, das übersteigt ihr Fassungsvermögen. Die Jungs sind an allem so interessiert und intelligent, aber sie wissen genau, dass sie niemals aus Indien heraus kommen. Also geniessen sie hier ihr Leben – wie ja auch die meisten Menschen in Europa.

Mir gefällt es hier wunderbar. Zum Abschied habe ich so viele Umarmungen bekommen. Ihr Lachen ist herzerwärmend! Nach drei Wochen Ruhe geht das Abenteuer wieder los.

Mit lieben Grüssen
von Beatrice

Dez 31 2007

Südindien: Cochin, Dorfleben


Publiziert in Weltreise 2006-2008 von Beatrice

Liebe Freunde,

Weihnachten organisierten wir selbst, da die Mitarbeiter der Ayurveda-Klinik daheim bei ihren Familien feierten. So kauften wir bei einer indischen Frau selbst gemachten Rotwein ein, der ausgezeichnet schmeckte, erhitzten ihn in der Küche, taten Mandeln und Rosinen dazu – und hatten perfekten Glühwein. Ausserdem entzündeten wir auf dem gedeckten Tisch und dem Gemäuer rings herum viele Kerzen, assen Topfkuchen und hatten einen internationalen fröhlichen Abend. Da waren wir noch acht Personen.

Jetzt sind wieder einige abgereist, ihre Kur ist beendet – und heute abend, Sylvester, sind wir zu viert: Sofia und Simon aus Dänemark, Martina aus Deutschland und ich. Wir haben uns ein spezielles Sylvester-Menü gewünscht – und auch erhalten, dazu wieder Glühwein! Leicht angeheitert fielen wir um Mitternacht zufrieden ins Bett.

Ach ja, dazu passt die Geschichte mit Suresh aus Malaysia. So ein schöner kräftiger Mann, 30-jährig. Wir hatten viel Spass mit ihm. Er war wirklich nett, aus einer reichen Familie. Er kam in die Klinik, um durch den Entgiftungsprozess von seiner Drogensucht los zu kommen. Da man ihn ja nicht immer unter Aufsicht hatte, feierte er abends wieder fröhlich Feste, indem er einige männliche Mitarbeiter des Ayurveda-Centers im Dorf zum Alkohol trinken einlud, die natürlich gern mit machten. Betrunken wachte er am nächsten Morgen wieder auf. So ging es ein paar Mal. Gefruchtet hat der Aufenthalt nicht viel, glaube ich.

Mit Martina, Sofia und Simon aus Dänemark glitt ich auf einem Kanu noch einmal ruhig, nur die Ruderschläge waren zu hören, durch die Kanäle der Backwaters, um den Sonnenuntergang am Strand zu erleben. Lauter Ahs und Ohs, und „oh wie schön!“ begleiteten unsere Fahrt.

Als ich einmal die Klinik am Spätnachmittage verliess, um einen kleinen Spaziergang im Dorf zu machen, sprachen mich zwei junge hübsche Burschen: Renju und Chinku, an, ob ich mit zu ihrem Haus käme. Natürlich gern. Dort in seiner Hütte zeigte mir Renju seine Münzensammlung – in einem Glas über 100 Münzen aus aller Welt£: aus Afrika, Russland, Indonesien, usw. Ich war beeindruckt. Er leerte sie auf einem Tisch aus und hob eine Münze nach der anderen hoch – dazu erzählte er mir, aus welchem Land sie stammt. Auch das neueste Penguin-Buch 2008 hatte er schon – und ich konnte darin die neueste genaue Einwohnerzahl in jedem Land nachlesen. Die Schweiz hat 7 500 000 Einwohner. Lernbegierig sind sie alle. Das Wissen haben sie aus dem Fernsehen, der auch in der Hütte flimmerte, aber sofort ausgemacht wurde, als ich eintraf. Das lebendige Objekt aus der Fremde war wohl noch interessanter.

Am nächsten Tag zeigten sie mir auf dem Weg zum Strand mit noch zwei anderen Freunden – fünf junge Männer um die 20 Jahre und ich in eine Auto-Riksha gequetscht – noch andere Tempel, weil sie merkten, dass ich dafür Interesse zeigte. Lichter spielen eine grosse Rolle bei den Tempeln. Hunderte Vorrichtungen für ebenso viele Teelichter sah ich an einer Tempelmauer angebracht. Das muss ja abends oder bei Feierlichkeiten wunderschön leuchten.

Auf dem Rückweg wollten sie mir einen Tempel zeigen, wo schon der lange Weg zum Eingang herrlich geschmückt war. Es war ein Fest im Gange, welches wir uns anschauen wollten. Doch kurz vor dem Tempel wurden wir von einem Priester gestoppt. Ich durfte als Nicht-Hindu nicht hinein. Mein zwei Jungs waren noch mehr enttäuscht als ich. Das sei ein Brahmanen-Tempel für die Upper-Class, wie sie mir abwertend erklärten. Mir machte das nichts aus. Ich bestaunte viel mehr die herrlichen Gold-verzierten Saris der reichen Leute. Dann erzählten sie mir, dass diese Inder kein Mayallalam sprechen wie in ganz Kerala, sondern Konkani, eine Sprache aus Goa, von wo, sie reich geworden, hierher gezogen sind.

Jede Bevölkerungsschicht hat ihren eigenen Tempel. In ihrem Tempel sei ich herzlich willkommen, sagten sie mir ganz begeistert. Und tatsaechlich. Das ganze Dorf war dort schon versammelt. Und als wir eintrafen, startete gerade ein 15-minütiges riesiges Feuerwerk. Alles vom Tempel gesponsert, der der Mittelpunkt des Dorfes ist. Hier trifft man sich auf dem grossen Platz. Fand ich ja toll, in Südindien so ein Feuerwerk mit zu erleben. Alle schauten sie begeistert zu.

Irgendwie ist für mich die Hindu-Religion richtig sympathisch. Morgens vor Arbeitsantritt wird andächtig gebetet und auf dem Heimweg nach der Arbeit wieder. Meine beiden jungen Begleiter fahren sonst mit dem Fahrrad hier vorbei, wenn sie zur Arbeit gehen. Abends trifft man sich auf dem Tempel-Gelände und erzählt sich das Neueste. Keine Predigt, nichts, nur Rituale. Nachdem das Wasser vor dem Bildnis des bevorzugten Gottes oder der Göttin gesegnet worden ist, wird es über die Menge gespritzt, um es zu segnen. Dann hält jeder seine Hände über das auch vorher gesegnete Feuer einer Öllampe, und streicht sie sich über sein Gesicht. Das war’s. Beten kann man was man will. Es ist eine ganz persönliche Angelegenheit.

Als ich mit Martina auf den Dämmen durch die Backwaters spazieren ging, bestaunten wir unterwegs die Hütten, vor denen liebevoll gemachte Krippen und Weihnachtssterne leuchteten und daneben Behausungen mit Bildern von Krishna oder Shiva. Auch Mohammedaner sind hier vertreten und – alle leben fröhlich miteinander, soweit ich das sehen durfte. Die Inder lachen einfach viel und überall. Für mich ist es beglückend, das zu erleben. Ich glaube, in Südindien leben die Menschen noch ein wenig gemütlicher vor sich hin als im Norden, wo das das Business-Denken im Vormarsch ist.

Damit wünsche ich euch allen ein wunderschönes Neues Jahr 2008 mit viel Glück und Erfolg!

Herzliche Grüsse
von Beatrice