Jul 17

Endlich Urlaub und auf in ein weiteres Kapitel Skandinavien. Nach Oslo und Kopenhagen folgen nun Finnland und Schweden.

Helsinki

Die erste Destination war Helsinki, wo mich Miia vom Flughafen abholte. Im Gegensatz zu ihrer Vorhersage, war das Wetter doch nicht so schlecht. Zumindest war es sehr angenehm im Gegensatz zum heissen Wetter in Berlin.

Es war bei meiner Ankunft schon Abend und daher steuerten wir das nächste Restaurant an: ein Farmerrestaurant, mit Traktoren, Zäunen, Kessel als Lampenschirmen und vielen weiteren fantasievollen Elementen. Was zeichnet die finnische Küche aus? Das wollte ich herausfinden. Die erste Spezialität waren kleine Fische, Kartoffeln und weitere Beilagen. Dazu lokales Bier. Sehr lecker. Mit Saucen hat man es hier nicht so. Gut, damit schmeckt man das Original.

Anschliessend zeigte sie mir Helsinki. Wir spazierten zum Hafen, wo gerade eine grosse Fähre ablegte. Fährenfahrten sind Lieblingsaktivitäten der Finnen. Schnell nach Stockholm oder Estland rüber und wieder zurück. An Bord eine Riesenfete mit viel günstigem Bier und so. Scheinbar ist es nicht mehr so günstig wie auch schon. Ich werde es ja auch noch erleben.

Über dem Hafen thront eine grosse rote orthodoxe Kirche, auf die ich natürlich klettern musste. Von dort hat man einen schönen Ausblick über die Stadt. Und von dort sah man im Abendlicht eine riesige weisse Kirche in der Stadt. Wunderschön.

Wir gingen um den Hafen rum und spazierten durch einen Park, wo wir einigen Stadtkaninchen begegneten. Helsinki ist sehr grün und es hat noch mehr Bäume als Berlin.

Irgendwann gingen wir nachhause, obwohl es noch nicht ganz dunkel war. Es wurde auch nicht dunkler. Das ist wohl das Schöne, wenn man im Norden wohnt. Sie lebt am Stadtrand von Helsinki in einer schmucken schönen 1-Zimmer-Wohnung.

Am nächsten Morgen schien die Sonne wunderbar herunter. Mit dem Bus fuhren wir in die Stadt, wo wir zuerst die Felsenkirche besuchten. Eine Kirche eingefräst in den felsigen Boden mit einer Glaskuppel darüber. Fantastisch. Sogar ein Orgelkonzert war angekündigt. Bis dahin hatten wir noch Zeit und so besuchten wir noch das Parlament und Finlandia, die Oper von Helsinki. Das Orgelspiel war ganz nett, aber es haute uns nicht aus den Socken. So verliessen wir die Kirche und kauften uns ein Picknick.

Auf dem Weg zum Hafen besuchten wir die weisse Kirche, die wir am Vortag aus der Ferne sahen.

Am Hafen war noch ein kleiner Markt, wo wir uns noch mit leckeren Erdbeeren eindeckten, bevor wir die Fähre nach Suomenlinna nahmen. Suomenlinna ist eine ehemalige Festungsinsel, die von Schweden gebaut und dann von Russland besetzt wurde, bevor sie durch die Unabhängigkeitserklärung 1917 in finnische Hand kam. Heute dient sie touristischen Zwecken und um die Geschichte zu bewahren.

Wir spazierten über die schöne Insel und Besichtigten ein schmuckes kleines U-Boot, was nur 20 Seeleute aufnehmen konnte. 3 Torpedos und es war voll. Scheinbar war das U-Boot doch recht erfolgreich.

Und dann kam der Regen. Wir retteten uns in einen Unterstand, wo wir unser Picknick verzehrten. Als der Regen nachliess, wanderten wir weiter und besahen uns die Kanonen und die Gänge. Wir kamen gerade rechtzeitig zur Meeresenge, wo sich ein Koloss von einer Fähre mit 9 Decks hautnah an uns vorbei hindurch zwängte.

Verregnet und durchnässt kamen wir nach Helsinki zurück, wo wir einen weiteren kulinarischen Höhepunkt erklommen. Rentier mit einer geschmackvollen Preiselbeersauce. Wow, was für ein Knaller.

Am nächsten Tag besuchten wir noch die Eisbrecher in ihrem Summercamp.

In einem Café traf ich auch noch Annika, die ich noch vom World Scout Jamboree in Thailand her kannte. Wir waren damals gemeinsam als Dienstrover im Windsurfingteam tätig. Wie die Zeit vergeht…

Kangasniemi

Mit Miia fuhr ich dann mit dem Bus nach Kangasniemi in die Sommerresidenz ihrer Familie. Kangasniemi liegt inmitten der Seenlandschaft. Ihr Vater holte uns ab und fuhr uns zur Hütte.

In einer Lichtung direkt an einem See gelegen ist es ein wunderschönes Fleckchen. Das Haupthaus besteht aus einer Küche und dem Hauptraum. Darin ein grosser Ofen und einem Dachboden zum Schlafen. Daneben ein Toilettenhäuschen, wie wir es von Berghütten kennen und einem Saunahäuschen. Die Sauna ist üblicherweise das erste Gebäude, was noch vor dem Haupthaus gebaut wird. Davor gleich ein kleiner Pfad, der auf den Steg hinaus aufs Wasser führte.

Der See war noch recht frisch, aber wir sind trotzdem gleich Baden gegangen. Vor 2 Wochen war es hier scheinbar viel viel wärmer. Egal. Ein Ruderboot gab es auch. Motorboote werden hier nicht gerne gesehen. Kann ich auch gut verstehen. Diese Ruhe ist einfach traumhaft. Wir sind dann mit dem Ruderboot gleich raus aufs Wasser und haben die letzten Sonnenstrahlen genossen und mit ein paar Steinen gekämpft ;-) .

Am Abend sind wir in der Nähe in ein Tanzlokal gefahren. Dieses Lokal ist wohl der Treffpunkt aller Tanzverrückten in weitem Umkreis. Die Finnen sind ein tanzwütiges Volk. Zumindest auf dem Lande. Früher gab es viele Tanzmöglichkeiten, dann der Abschwung, was sich jetzt wieder stark erholt.

Obwohl Miia sich den Zehen an einem Stein kaputtgemacht hatte, wollte sie Tanzen und biss sich durch. Die Bühne war geteilt mit 2 Sets an Instrumenten. Darauf spielten abwechslungsweise 2 Bands, die sich jeweils die Klinke in die Hand gaben. Die Musikauswahl war sehr reichhaltig und die meisten tanzten rund um die Tanzfläche. Mich zog es meistens in der Mitte, damit ich einige Figuren tanzen konnte.

Irgendwann spielten sie einen finnischen Polka. Das war ja toll. Die Partner hielten sich gegenseitig an den Oberarmen fest und sprangen wie Pingpongbälle durch den Raum. Sah irgendwie Irre aus.

Am nächsten Tag war es bedeckt und wir assen spät zu Frühstück. Und dann kam schon der Regen. Tja, blieb uns nichts anderes übrig, als drin zu bleiben und Karten zu spielen. Sie lehrte mich ein neues Kartenspiel namens Casino, bei dem ich oft ein gutes Händchen hatte.

Am Abend lernte ich noch ein anderes Spiel draussen kennen (Mölkky). Es gab 12 Holzklötze von 1 – 12 Punkten. Am Anfang standen die zusammen. Dann musste man entweder eines treffen und die Punkte garnieren, oder wenn mehr als zwei Klötze umfielen, galten die Menge der umgefallenen Klötze als Punkte. So musste man genau 50 Punkte sammeln. Da hatte ich gute Trefferquoten, aber nicht unbedingt Glück.

Wir waren im Haus der Eltern eingeladen und Papa Miia räucherte zum Abendessen ein grosses Stück Lachs. Mjam.

Dann heizten wir die Sauna ein. Endlich lernte ich die finnische Sauna in natura kennen. Bei 80°C sassen wir auf den Bänken und schmorten vor uns hin. Dazu gibt es Bier und auf der Sauna gegrillte Würste. Gegrillte Würste… Ich weiss ja nicht. Ich zeigte ihnen, wie das auch mit Schokobananen auf dem Grill funktioniert. Das fanden sie ganz toll. Ich fürchte, ich hab die finnische Kultur korrumpiert ;-) .

Neben den ätherischen Ölen gab es auch Weidenzweige, mit denen wir uns schlugen, um die Durchblutung anzuregen. Für mich zu wenig hart. In Russland hatte ich mal welche… Ich machte etwa 5 Saunagänge und zu guter Letzt heizte ich noch tüchtig ein und schüttete soviel Wasser auf den Ofen, dass es kaum noch zu ertragen war. Das bescherte mir dann am nächsten Tag tüchtiges Kopfweh.

Bevor ich mich verabschiedete, machten wir eine Wanderung durchs Unterholz, um vielleicht noch ein Tier zu entdecken. Wäre ja schön gewesen, einen Elk oder ein Moose zu entdecken. Oder vielleicht einen Bären? War leider nichts.

Von Jyväskylä fuhr ich mit einem hochmodernen IC nach Tampere und von dort weiter nach Pori. Ach ja, die finnische Sprache. Lesen kann man das ganz wunderbar. Einfach von Jyväskylä das y mit ü ersetzen. That’s it.

Pori

In Pori wurde ich von Essi begrüsst. Ich lernte sie und einige andere finnische Pfadfinder am National Jamboree in Iceland kennen.

Sie wohnt in einem alten sturmanfälligen Holzhaus. Aber innen ist es super heimelig und schmuck eingerichtet. Ziemlich modern im Gegensatz zur Sicht von aussen. Beim Essen checkte sie ab, was mir wohl noch an finnischen Erlebnissen fehlen könnte. Miia hatte ganze Arbeit geleistet. Selbst Karelian Pies hatte ich schon probiert. Karelia ist ein Teil Finnlands, welches im Besitz von Russland ist. Des Finnen Herz schmerzt bei diesem Gedanken daran. Diese Dinger sind mit Reis gefüllt und sind nicht schlecht. Ich hab mich dann gefragt, wo das Reis herkommt, denn es ist eine einheimische Spezialität. Hm, Reisterrassen hab ich keine gesehen ;-) .

Wir machten einen Spaziergang durch das Städtchen: Fussgänger Passage, kleine Parks und eine schöne Schule. Im Sommer findet hier das weltbekannte Pori Jazz Festival statt, wo an der Hauptbühne 60’000 Zuschauer mittanzen. Da wandelt sich dieses beschauliche Städtchen zur Metropole. Und jetzt fing es gerade an.

Am nächsten Tag machten wir eine Rundreise. In der Nähe der Yyteri Strand. Finnlands schönster Strand wird gesagt. In der Tat, dieser feine Sandstrand mit den grossen Dünen ist eine Reise wert.

Obwohl das Wasser saukalt war, hab ich mich als einer der wenigen hinein ins Baltische Meer gewagt.

Weiter ging es nach Mäntyluoto, Reposaari und Noormarkku, wo wir die Ländereien der Ahlström-Familie besuchten. Einige Gutshäuser, Stallungen, ein Schlösschen, eine Mühle und ein Designerhaus, welches viele Studenten aus dem asiatischen Raum anzieht. Überhaupt scheint nordisches Design sehr gefragt zu sein, wie ich in Oslo und Kopenhagen auch schon herausgefunden habe. In dieser Gegend ist Essi geboren und aufgewachsen. Dann fing es an zu schütten und wir kehrten zurück.

Am Abend sind wir zur Jazz Street, was bei diesem Hundewetter nicht wirklich besucht war. Die Bands spielten trotzdem munter weiter. Essi hatte uns gerade noch 2 Karten für das Jazz Café besorgt, wo wir dann den Klängen von Ted Curson lauschten. Im Anschluss fand eine Jam Session bis spät in die Nacht hinein statt.

Am Sonntag hiess es nun auch wieder Abschied nehmen. Das Wetter war schön und ich konnte noch ein paar Bilder mit Sonnenschein von Pori aufnehmen. Wir sind auch durch den Park geschlendert, wo in der kommenden Woche diese Mega-Events stattfinden. Echt schön.

Auf dem Weg nach Turku, wo am Abend meine Fähre nach Stockholm fahren würde, hielten wir noch in Rauma, um uns die Altstadt anzuschauen. Alte Holzhäuser ähnlich dem, wie Essi auch wohnt. Diese Häuser haben einen speziellen Charm. Die Häuser strahlen Pioniergeist und Standhaftigkeit aus.

In Turku besuchten wir den Dom, liefen am Fluss entlang, tranken Bier und genossen das Leben. Auch Hesburger lernte ich in der Hesburger-Hauptstadt kennen. Hesburger ist die einheimische Antwort und Konkurrenz zu McDonalds. Wer patriotisch ist, geht zu Hesburger. Nun ja, war etwas fad und die Toiletten nicht ganz auf dem internationalen Standard. Scheinbar war die Zutatenmischung für den Burger nicht dem Original entsprechend.

Dann kam der Abschied von ihr und Finnland. Ein 12-stöckiges Ungetüm der Silja brachte mich nach Stockholm. Ich wurde bereits im Voraus geistig-moralisch darauf vorbereitet.

Überfahrt von Turku nach Stockholm

Bevor ich die Erkundungstour machte, schaute ich vom Deck hinaus in die Insellandschaft von Finnland. Tausende von kleinen und grösseren Inseln und unser Koloss, welcher sich einen Weg dadurch sucht. Immer wieder kleine Motor- und Segelboote, die sich neben uns drückten.

Das Schiff hatte einen Wellness- und Saunabereich, einige Restaurants und Shops. Der Duty Free Shop war riesig und es gab alles zu kaufen. Für die vielen Biertrinker standen am Eingang gleich Anhänger mit mehreren Bierkisten praktisch zusammengestellt, denn man gleich mit zur Kasse nehmen konnte. Auch sonst gab es Alkohol im Überfluss.

Mit Frederik meinem Zimmergenossen trank ich noch ein Bier, bevor ich in letzter Minute noch was zu essen bekam und danach in letzter Minute noch was kaufte. Der Abenteuergeist hat mich etwas aufgehalten und es war ja noch immer hell.

Man hatte mich gewarnt, dass viele Partyleute da sein würden, die sich auf diesen Fahrten sinnlos betrinken. Da war eigentlich nichts zu sehen. Sonntag auf Montag ist wohl eher ruhig. Auf der Tanzfläche hatte ich auch kein Glück. Bei guter Musik tanzten hyperaktive Kinder mit ihren Eltern. Auch die Disco war leer. Irgendwann gab ich die Hoffnung auf, noch einen Tanz zu kriegen und ging schlafen. Obwohl es keinen Grund dazu gab, drückte ich kein Auge zu.

Schweden

Frederik brachte mich zum Bahnhof, wo ich am Schalter das 1. Klass Ticket, welches mir Olof bereitlegen liess, bekam. Damit fuhr ich nach Linköping. Feines Frühstück und Internetzugriff. Was für ein Luxus.

In Linköping warteten auch schon Olof und seine Freundin auf mich. Wir fuhren zum Göta-Kanal, der die Westküste mit der Ostküste von Schweden verbindet. Da gab es einige Schiffstreppen und Viadukte, welches wir eigentlich mit einem Schiff befahren wollten. Eines von 1000 Dingen, die man scheinbar mal gemacht haben musste. Leider hatten wir auf dem Schiff keinen Platz mehr. Ohnehin war es besser, die Schiffe auf den Treppen und das Viadukt von aussen zu fotografieren.

Anschliessend assen wir in der Stadt was Einheimisches mit extrem teurem Bier. Danach besuchten wir ein Freilichtmuseum, wo ähnlich dem Ballenberg viele alte Häuser stehen.

Irgendwo fanden wir auch noch einen See, in dem wir uns abkühlten, bevor wir zu seinen Eltern fuhren.

Olof wuchs auf einem Bauernhof auf, umgeben von Seen und vielen Wäldern. Der Vater hat etwa 20 Kühe, die er im Sommer ausleiht, um als Hobby die Milchwirtschaft zu betreiben. Diese Kühe trieben wir am Abend zusammen.

In nächster Nähe brachen aus dem Gehölz zwei Elche hervor und jagten hintereinander her. Eine Joggerin mit Kopfhörern joggte entspannt nebenan vorbei und bekam nichts mit.

Mit Olof ging ich dann auf Pirsch. Doch nichts liess sich entdecken. Nur Waldfrüchte, die Olof in einem fort sammelte und ass. Der geborene Jäger und Sammler. Auch nach dem Abendessen, als ich noch kurz auf Toilette war, fand ich ihn nachher auf dem Kirschbaum.

Am nächsten Tag packten wir alles zusammen für einen Kanuausflug. Ein paar Kleider, Fressalien und Zelt. In einem nahe gelegenen See rüsteten wir die Kanus aus und stachen in See. Jupii.

Vorbei an Natur, Bäumen und Felsen. Vereinzelte Häuser gab es auch. In einer Bucht sahen wir auch ein kleines Floss mit einer Sauna drauf. Die haben doch einen Knall. Tiere gab es einige. Viele Vögel und einen Elch liessen sich auch blicken. Mitten im Wasser hab ich fast eine Schlange überfahren. Eine Landschlange mitten im See. Die wollte sich wahrscheinlich auch mal ein Bad nehmen.

Irgendwo fuhren wir auch durch einen Kanal, wo ein Riesengebrüll herrschte. Zur Linken und zur Rechten standen sich zwei Stiere gegenüber, die sich Zunder gaben ;-)

Es wurde langsam spät und wir waren schon den ganzen Tag unterwegs und so steuerten wir eine Insel an. Wir erkundeten die Insel und suchten ein gutes Plätzchen für unser Zelt. Bevor wir ein erfrischendes Bad nahmen und faulenzten, schnabulierten und sammelten wir Heidelbeeren.

Am Abend entfachten wir ein Lagerfeuer. Auch der Wetterumsturz, der fast Regen gebracht hätte, entmutigte uns nicht. War schon toll!

Bei strahlendem Sonnenschein paddelten wir am nächsten Tag zurück zu unserem Ausgangspunkt. Nach dem Essen nahm ich den Zug nach Stockholm zurück.

Mit Olof hatte ich wirklich ein schönes Erlebnis und auch die richtige Person dazu: professioneller Führer, Naturkenner, Abenteurer, Teilzeit-Landwirt, Schafzüchter, Lehrer, Jäger und Sammler. Kurzum ein Naturbursche.

Stockholm

Für Stockholm hatte ich weniger als 24 Stunden Zeit und die Stadt ist reich an Geschichte und Kultur.

Ich übernachtete am Hafen in einer Jugi, die auch ein 3-Mast-Segelschiff ihr eigen nett. Leider hatte das Schiff keinen Platz mehr.

Ich wanderte um den Hafen herum zum Königsschloss. Dort in diesem Quartier gab es auch einige Kirchen und schöne Häuser zu besichtigen. Ein Hard Rock Café fand ich auch noch.

Am nächsten Morgen besuchte ich noch das Vasa-Museum. Darin wird das königliche Schiff gezeigt, welches eigentlich die Krönung der schwedischen Flotte hätte sein sollen, wenn es nicht bei der Jungfernfahrt 1628 im Hafen gesunken wäre. Da blieb es bis 1956, als man es wieder fand und es in 30jähriger Arbeit konservierte und herrichtete. Ein tolles Schiff. Was mich besonders erstaunte war, dass es auf dem Masten, der vorne raus geht, noch eine Plattform gab und einen Masten mit einem zusätzlichen Segel. Sozusagen einen Masten auf dem Masten. Ein Focksegel, wie wir es heute kennen, gab es nicht.

Ich hoffe, der Text hat euch nicht erschlagen. Diese 10 Tage Urlaub waren sehr intensiv und ich bedanke mich bei Miia, Essi und Olof für die Zeit, die sie mir schenkten. Nun kann ich einen Haken in meiner Todo-Liste für Skandinavien setzen. Done ;-)

Mai 03

Mal wieder Reiseluft schnuppern, das wäre schön. Was liegt da näher als das lange Wochenende vom 1. Mai zu nutzen?

Aber wohin? Gerade rechtzeitig zu meinem Geburtstag bekam ich von Air Berlin eine Angebotsliste. Nachdem ich dieses Jahr mal die nordischen Länder besuchen will, lag Oslo einfach auf der Hand.

Auf diese Reise hab ich mich kaum vorbereitet. Am Abend zuvor hab ich mir von WikiTravel die Liste ausgedruckt, damit ich wenigstens etwas habe. Aber eigentlich wollte ich mich einfach überraschen lassen. Als Gepäck reichte mir ein kleiner Tagesrucksack mit Unterwäsche, Wäschebeutel, Jacke und zur Not noch ein Fleece. So handlich war ich noch selten unterwegs. Was braucht man mehr?

Ankunft in OsloIn Oslo angekommen war es warm und strahlend blauer Himmel. Am Flughafen konnte ich doch nicht davon lassen, Informationen und Karten mitzunehmen. Im Zug in die Stadt legte ich mir automatisch die Sehenswürdigkeiten zurecht. Tja, die Macht der Gewohnheiten.

Aber dennoch liess ich die Stadt auf mich wirken und ging freudvoll meiner Nase nach.

Auch hier gibt es Protestkundgebungen zum 1. Mai. Der Umzug war ziemlich lange. Die grösste Gruppierung waren wohl die Tamilen, die auf den Genozid in Sri Lanka aufmerksam machten. Die Kolonne wollte kein Ende nehmen. Die nächst Grössere war gegen Israel gerichtet.

Auf dem Weg zum Königlichen Schloss kam ich noch beim Hard Rock Café vorbei, wo ich natürlich ein T-Shirt kaufen musste. Meine einzige Sammelleidenschaft.

Vom königlichen Schloss hat man einen guten Ausblick auf die Stadt. Wie in London gibt es hier Wächter. Hier tragen sie einen komischen Hut mit einem Federbauschfimmel, der einem bei Wind im Gesicht kitzelt. Die Wiesen rund um das Schloss waren voll von Sonnenanbetern. Es war auch wirklich schön warm und sonnig.

Gemütliche Zeit in Aker Brygge

Unten am Hafen bei Aker Brygge waren die Bars und Restaurants gepackt voll. Am Ende der Mole hatte es noch eine schöne Grünfläche, die sich zum Erholen anbietete. Dort traf ich Anne, die gerade von der Arbeit kam. Ein Krug Kaffee, Früchte und meine Schokolade. Was will man mehr bei diesem schönen Wetter? Insbesondere auch im Hinblick, dass ich auch gerne am Meer bin.

Anne ist auch bei Couchsurfing dabei und später kam noch ihr Gast aus Italien vorbei. Bei ihr durfte ich dann die nachfolgende Nacht übernachten.

Nachdem wir über das Reiseleben ausgiebig erzählt haben, bin ich mit Mariano noch zur gegenüberliegenden Festung gelaufen, wo man einen schönen Ausblick hat. Gleich um die Ecke gab es ein Deja Vue. Wie in Sydney, wenn man vom Park her kommt, taucht unvermittelt das Opera House auf. Ebenso in Oslo. Das Norske Opera ist extrem beeindruckend. Wurde 2008 zum besten Kulturgebäude am World Architecture Festival erkoren. Hat gewissen Ähnlichkeiten mit einem Schiff oder auch einem Gletscher.

Norske OperaDer Bau ist wirklich so hell wie Schnee und man konnte am Hang hinauflaufen aufs Dach. Wohl gemerkt, der Hang ist das Gebäude selbst.

Am nächsten Tag sah das Wetter etwas komisch aus. Ich liess den Vigeland Park mal aus, um auf besseres Wetter am Sonntag zu hoffen. Anstatt dessen ging ich zum Hafen und traf auf 3 Fischerboote, die ihre Ware verkauften. Ach ja, Thema Sea Food. Ich hoffte eigentlich, hier an der Quelle etwas Seafood Kultur geniessen zu können. Doch leider scheint man hier eher Seafood aus dem Supermarkt zu kaufen. Resp. ich fand auch keine Restaurants, die sich auf das spezialisierten.

Kon-TikiNun den, ich nahm die Fähre zur Museumsinsel, wo ich zuerst das Kon-Tiki und dann das Viking Museum besuchte. Im Kon-Tiki Museum sind die beiden Flosse, die ein Forscher baute, aufgebaut. Er wollte beweisen, dass einerseits die Ägypter mit einem Papyrus-Boot in die Karibik segeln konnten und andererseits die polynesischen Inseln aus Südamerika her besiedelt wurden. Extrem spannend und lehrreich. In den Zusammenhang fällt auch, dass die Maori in Neuseeland von den Inseln her kamen. Sind die Maori nun Ägypter ;-) ?

Das Viking Museum hingegen fand ich nicht so spannend. Ein paar alte Wikingerboote, die man als Grabstätte verbuddelt hatte. Aber immerhin gut erhalten.

Anschliessend machte ich eine kleine Stadtrundfahrt. Ich fuhr einfach ein bisschen Bus, Tram und schlussendlich Zug und landete auf einem “Aussichtsberg” Frognerseteren. Das Wetter war ja am Samstag nicht so prächtig, sodass der Ausblick nicht so berauschend war. Dafür war das nahegelegene “Gipfelrestaurant” schön heimelig und es gab feine Apfeltorte.

Von dort bin ich dann nach Holmenkollen runter gelaufen. Auf dem Weg liegt auch die berühmte Sprungschanze. Die wurde letztes Jahr abgerissen, um was Neues zu bauen. Die Baugrube sah ja extrem schlimm aus. Eine riesige Betongrube inmitten grüner Natur. Einfach scheusslich.

Am Abend traf ich dann Anne wieder und sie zeigte mir etwas von ihrer Umgebung und wir sind dann noch lecker essen gegangen.

Im Vigeland ParkAm Sonntag war dann wieder besseres Wetter. Der Vigeland Park stand noch aus. Der Park ist wirklich toll. Hunderte von Skulpturen, die das menschliche Leben widerspiegelte. Einfach schön. Der Vigeland, der diese Skulpturen alle schuf, hatte auch einen Bruder, der ebenso künstlerisches Blut hatte.

Er hatte ein grosses Haus gebaut, das nur aus einer Halle bestand. Der Eingang war 1.50 hoch, sodass man mit Demut einschreiten musste. Dieses Museum war sein Mausoleum und praktisch zappenduster. Nach vielen Minuten gewöhnten sich die Augen an die Dunkelheit. Auch er hatte das menschliche Leben im Sinn und zeichnete auf 800 m2 verschiedene Szenen nach. Ich gewann den Eindruck, er zeichnete vor allem Frauen und ein paar abstrakte Vorstellungen wie z. B. Sex von 2 Skeletten.

Zurück im Hafen besuchte ich noch das Nobel Peace Center, Heimstätte des Friedensnobelpreises. Die anderen Nobelpreise werden von Schweden vergeben. Ich wollte dieses Museum auch besuchen, um etwas mehr über den Herrn Nobel zu erfahren, da ich aktuell an einem Projekt bin, dass auf dem Fabrikareal von ehemals Dynamite Nobel liegt.

Den Nachmittag liess ich mit einem Kaffeestopp an der Front ausklingen, bevor dieses schöne Wochenende schon wieder Vergangenheit ist. Es hat sich gelohnt, kurz nach Oslo zu fliegen.

Fotos finden sich in meiner Gallery.

Mrz 02

5 Sterne. Welche Assoziationen kommen dir in den Sinn? Bestimmt die Güteklasse von Hotels. Zumindest steht das auch so bei Wikipedia. Dabei gibt es noch viele andere Möglichkeiten, diese Sterne einzusetzen.

Mittlerweile wird in vielen Programmen ein Feld Wertung eingebaut. Meistens auch mit 5 Sternen. So z. B. in iTunes, womit man Lieder nach seinem Geschmack bewerten kann.

Am Anfang wusste ich nicht so recht, was ich mit diesen Bewertungs-Sternen anfangen soll und liess sie einige Jahre liegen. Irgendwann hab ich mal angefangen, Sterne zu pflegen und fand es eigentlich ganz praktisch. Problematisch war am Anfang, was stufe ich mit 5 Sternen ein? Oder was bedeutet “gut”? Wenn man einen Eintrag sieht, der nur 3 Sterne hat, sieht das etwas mager aus, aber ich wählte genau diesen Mittelpunkt in dieser Skala. 3 Sterne sind neutral, tendenziell gut.

In Bezug auf iTunes sind 3 Sterne hörbar. Ich klicke nicht gleich weiter zum nächsten Lied. Sehr gute Lieder bewerte ich mit 4 und meine momentanen Lieblingslieder mit 5 Sternen. Wenn ich gleich weiter klicke, müsste ich dem Lied eigentlich eine 2 geben, denn es ist nicht hörbar.

So höre ich aktuell meine ganze Bibliothek durch. Sämtliche Lieder, die noch keine Bewertung haben, landen auf meinen iPod. Das wird aber noch eine Weile dauern, bis ich durch bin und so kann ich meine Sammlung wieder mal strukturiert anhören.

Genau gleich bin ich mit Bildern in meiner Library vorgegangen. In einem Ordner werden bei der ersten Sichtung alle guten Bilder mal mit 3 bewertet. Solche, die ich öffentlich zeigen kann mit 4 und werden mit einer Smartlist gesammelt. Die kann ich dann gleich in meine Gallery ziehen. Lieblingsbilder landen üblicherweise als Hintergrund auf meinem Bildschirm.

Wenn man aber das Sternesystem auf das Adressbuch umsetzt, wird es langsam makaber.

Man sieht, es gibt viele Einsatzmöglichkeiten dafür.

Feb 13

Letzte Woche hab ich den letzten Baustein meines Versicherungsportfolios hinzugefügt und nun sind sämtliche Verpflichtungen erfüllt und die Trennung vom Schweizer System vollständig.

Ich hatte das Glück, dass mein Versicherungsberater gerade erfolgreich den Schweizer Titel eidg. dipl. Versicherungsfachmann abgeschlossen hat. Als Hobby sozusagen oder auch um all seine bisherigen Kunden weiter beraten zu können, die in die Schweiz abwandern.

Krankenkasse

Eine der ersten Versicherungen, die man abschliesst, ist die Krankenkasse. Das geht nur, wenn man einen Job hat und ohne Krankenversicherung keinen Job. Ein klassischer Schwanzbeisser ;-)

Der Wechsel von der Schweiz nach Deutschland ist gut zu planen. Die Krankenversicherungspflicht erlischt mit der Abmeldung aus der Schweiz. Einige Versicherer bieten auch einen Auslandschutz an, der ist aber um einiges teurer.

Also ist der ideale Zeitpunkt abzuwarten, bis man einen Job hat.

In Deutschland gibt es zwei Versicherungsarten: Gesetzlich und Privat Versicherte. Man spricht auch von einem 2-Klassen-System. Der privat Versicherte kriegt üblicherweise sofort einen Termin, wird gleich behandelt und wird auf Händen getragen. Als gesetzlich Versicherten kann man von Glück reden, wenn man nicht solange warten muss.

Um sich privat versichern zu können, müssen einige Bedingungen erfüllt werden. Man muss gut verdienen – mindestens €3800 im Monat. Und man muss 3 Jahre in die gesetzliche Krankenkasse eingezahlt haben.

Das heisst, ich bin momentan gesetzlich versichert und mein Arbeitgeber und ich teilen uns den Betrag. Mein Anteil beträgt um die €300 und mein Arbeitgeber zahlt auch noch mal soviel. Man muss sich das mal vorstellen! Mein Beitrag in der Schweiz war nur ein Drittel dessen, was hier kassiert wird.

Was ich bei der Anmeldung spannend fand, war der Fragebogen. Eigentlich dürfen Sie keine Fragen zum Gesundheitszustand stellen, aber sie boten an, dass ich mich an einem Programm für Diabetes, Raucherentzug oder was auch immer anmelden könnte. Natürlich würde die Anmeldung verschlampt und verzögert, bis man einen anderen Versicherer findet.

Rentenversicherung

Die Rentenversicherung kam gleich mit der Krankenkassenanmeldung dazu. Aber ich weiss noch nicht so genau, was das ist und wie es funktioniert.

Ich weiss nur soviel, dass ich bei meiner Pensionierung einen Teil der Rente aus der Schweiz und einen aus Deutschland erhalte. Dies aufgrund der bilateralen Bestimmungen.

Unfallversicherung

Die Unfallversicherung ist keine Versicherung gegen Unfallschäden, wie wir es in der Schweiz kennen. Alle Unfälle sind bereits mit der Krankenversicherung abgedeckt.

Die Unfallversicherung ist eine Versicherung gegen Invalidität. Es handelt sich um eine freiwillige Versicherung.

Mein Arbeitgeber wird mich nach meiner Probezeit Unfallversichern.

Haftpflicht

Sollte man tunlichst versichern. Gibt keine wesentlichen Unterschiede zum Schweizer System. Ah doch, ein Zusatzbaustein hab ich noch abgeschlossen und zwar die Forderungsausfalldeckung.

Dieser Zusatzbaustein kommt zum Zuge, wenn der Schädigende illiquid ist und den Schaden nicht bezahlen kann. Als Beispiel wurde der Dobermann-Fall genannt.

Ich glaube in der Schweiz ist jeder irgendwie versichert und wenn er nicht bezahlen kann, kommt der Sozialdienst zum Zuge. Bin mir aber nicht sicher.

Hausrat

Soviel erkennen konnte, gibt es keine Unterschiede zum Schweizer System.

Rechtsschutz

In Deutschland ist eine Rechtsschutzversicherung fast Pflicht. Gegenüber der Schweiz, wo sich 9% versichern lassen, sind es hier in Deutschland mehr als 44%.

Das heisst, hier wird auch gleich scharf geschossen. Gegen ein simples Parkverbot, das vielleicht aus der einen Richtung nicht gesehen werden kann, wird gleich geklagt.

Abmahnungen sind die berühmt-berüchtigte Mittel der Deutschen gegen allerlei negatives Geschäftsgebaren. So zumindest lese ich davon häufig im Heise-Ticker.

Da passt mir das Schweizer System schon besser, wo man noch miteinander reden kann.

Feb 12

SchuldenuhrNeben meiner Arbeitsstelle in Berlin hat der Bund Deutscher Steuerzahler eine Schuldenuhr stehen. Diese hatte ich auch schon im letzten Sommer per Zufall entdeckt.

Diese Schuldenuhr zeigt die aktuelle Verschuldung Deutschlands an mit der Rate, um die es sich pro Sekunde wegen Zinsen weiterverschuldet.

Bis vor kurzem lag diese Rate bei 474€ pro Sekunde. Das lag früher auch schon bei rund 700€. Ich freute mich für Deutschland, dass es sich von der Verschuldung befreit.

Letzthin dachte ich an einen Darstellungsfehler. Aber ein Vergleich mit dem Foto vom letzten Sommer lieferte den Beweis: Die Verschuldung ist durch die Bankenkrise massiv gestiegen und die Rate liegt aktuell bei 4439€ pro Sekunde! Wahnsinnig, oder?

Feb 02

logo_deutschepostManchmal ist es echt zum Verzweifeln. Nebst den Streiks, die mich mürbemachen, fehlt mir das Vertrauen in die Deutsche Post. Bereits im letzten Jahr, als ich gerade angekommen bin, ist ein erwartetes Couvert meiner Mutter nicht eingetroffen. Ich gebe zu, die Schweizer Post spielt da auch mit, aber dennoch vermute ich, dass es an der Deutschen Post liegt.

Im letzten Dezember bin ich umgezogen, habe eine Adressweiterleitung eingerichtet, den Briefkasten und die Klingel korrekt beschriftet, aber irgendwie schnallten die es nicht, das ich nun da wohne.

Bankencouverts ohne Absender wurden zuerst versucht, zugestellt zu werden. Ein Kleber war drauf, dass der Empfänger unbekannt ist. Und da auch kein Absender drauf war, dachten sie dann schlussendlich, wir gehen doch nochmal nachschauen, ob es wirklich keinen Zemp da gibt. Und haben ihn gefunden.

Super, wäre ja genial, wenn das nun gespeichert ist. Aber nein, eine Hochzeitanzeige, die ich erwartet habe, wurde mir auch nicht zugestellt. Der Absender bekam das Couvert zurück mit Empfänger unbekannt.

Ich weiss nicht, was ich da tun soll!?! Auch die Adressweiterleitung klappt nur halbwegs. Aber mittlerweile hab ich alle erwischt, dir mir regelmässig was zustellen.

Jan 08

Seitdem ich nun wieder alleine lebe und zwangsweise meine bisherigen Schweizer Haushalt-Geräte brauchen muss, kommt es da zu Konflikten. Die Stecker aus der Schweiz passen natürlich nicht in die Schuko-Stecker, klar. Aber einen Reiseadapter, denn ich jeweils auf meinen Reisen mitnahm hatte ich dabei. Der verrichtet ganz zufrieden seinen Dienst.

Aber ich brauche noch einen Zweiten. Ich hab mich hier in Berlin schusselig gesucht nach diesen Dingern. Die gibt es in allen möglichen Kombinationen und für alle möglichen Länder, nur nicht in der Variante CH->DE.

Nun, ich hab mir dann wieder einen Reiseadapter hier gleich um die Ecke bei Globetrotter gekauft. Soweit so gut.

Doch wenn ich mein kleines Öfeli oder mein Bügeleisen daran anschliesse, dauert es nicht lange und die Sicherung in diesem Adapter brennt durch. Es ist doch zum Davonlaufen!

Während ich diesen Text schreibe fiel mir ein, dass ich mich ja eines kleinen Tricks bedienen kann; ich hab nun Alufolie anstelle der Sicherung rein gemacht. Nun kann ich zumindest mein Hemd bügeln bis die Adapter aus der Schweiz eintreffen.

Dez 25

Ich glaube nun sämtliche Behördengänge hinter mir zu haben. Ist eigentlich gar nicht so viel und als Schweizer hat man nirgends mit Schwierigkeiten zu rechnen. Man wird höchstens gefragt, weshalb man die schöne Schweiz gegen Deutschland eintauscht. Die Aussenwirkung der Schweiz ist doch recht hoch, obwohl es da einen Steuerstreit gibt.

Mein Weg der Behördengänge ist zwar nicht der Idealfall, aber funktionierte bestens. Üblicherweise hat man wenn man Umzieht eine Wohnung und eine Arbeit. Beides hatte ich jedoch nicht.

Folgende Etappen gilt es zu bewältigen:

  • Umzug des Haushalts nach Deutschland
  • Wohnsitznahme
  • Anmeldung bei der Botschaft
  • Arbeitsstelle finden
  • Steuern
  • Aufenthaltsgenehmigung
  • Fahrzeugausweis umschreiben lassen

Umzug

Ich liess meinen Hausrat durch ein Umzugsunternehmen nach Deutschland transportieren. Im Internet gibt es eine Umzugsauktion, mit der man günstige Angebote bekommt. Hier unterbieten sich die Anbieter gegenseitig und am Schluss kann man immer noch auswählen, mit welcher Firma man den Umzug machen möchte. So günstige Preise erhält man bei einer direkten Anfrage nicht. Auch ein Eigentransport kommt nicht wesentlich billiger.

Es gibt je für die Schweiz und Deutschland ein Zollformular auszufüllen. Eigentlich gibt es da keine Probleme. Nur war ich zu ehrlich und hab meine 10 Flaschen Alkohol (= Maximum) angegeben. Ich hätte es besser gelassen.

Der Transport konnte dennoch nach Berlin gemacht werden. Dort gibt es auch eine Zollstelle und Melanie musste dort vorsprechen, bevor der Lastwagen geleert werden konnte. Sie musste sich verpflichten, die Alkaholika privat zu vernichten, was wir natürlich taten ;-) .

Nachdem man die Sachen eingeführt hat, hat man nun 6 Monate Zeit sich anzumelden, was ich im ersten Moment nicht tat, da wir ja noch nach Australien wollten. Wenn ich Wohnsitz genommen hätte, hätte ich dann noch 3 Monate Zeit gehabt, einen Job zu finden. Dann hätte man mich vielleicht ausweisen können.

Wohnsitznahme

Ende August nahm ich knapp nach 6 Monaten Ferienzeit Wohnsitz in Berlin. Mittlerweile hatte ich schon einen Arbeitsvertrag und somit war dies der nächste logische Schritt.

Das geht ganz einfach. Man geht zum Bürgeramt mit einem Ausweis. Ein Mietvertrag braucht es nicht, aber wenn man zur Untermiete ist, muss man einen “Sponsor” angeben. That’s it.

Mit dieser Wohnsitznahme hat man nun 3 Monate Zeit, eine Arbeitsstelle zu finden und sich dann bei der Ausländerbehörde zu melden.

Botschaft

Nachdem man sich aus der Schweiz abgemeldet hat, kann man sich bei der Botschaft anmelden. Dort kann man auch angeben, von welcher Schweizer Gemeinde man sich das Stimmmaterial wünscht. Die geben auch einige Tipps und ein Merkblatt, welche weiteren Behördengänge sinnvoll wären.

Arbeitsstelle

Wenn man einen Arbeitsvertrag in den Fingern hat, geht der Zirkus weiter. Der Arbeitgeber braucht dann bei Arbeitsbeginn die Lohnsteuerkarte, eine Krankenversicherung und eine Rentenbescheinigung. Die beiden Letztgenannten bekommt man von der Krankenkasse.

Und nun kann man arbeiten. Eine Arbeitsbewilligung braucht man noch nicht. Man könnte sogar nach 3 Monaten nach der Anmeldung sich wieder abmelden und in die Schweiz zurück kehren. Aber das wollte ich ja nicht.

Aufenthaltsbewilligung

3 Monate nach der Wohnsitznahme muss man sich bei der Ausländerbehörde melden. Das ist eine reine Formsache, aber man muss viel Zeit mitnehmen, denn die werden schon seit längerem überrannt und weitere Kapazitäten gibt es nicht.

Mitnehmen muss man die Wohnsitzbescheinigung, ein Nachweis der Krankenversicherung, den Arbeitsvertrag und 2 biometrische Fotos. Dann bekommt man einen Ausweis, denn man tunlichst immer bei sich trägt.

Führerschein

Damit man auf Deutschen Strassen unterwegs sein darf, muss man den Schweizer Führerschein innert 6 Monaten umschreiben lassen. Das sollte man gleich einfädeln, denn ich musste 4 Monate warten, bevor der Entscheid kam.

Dann kann man zur Behörde gehen, gibt den Schweizer Ausweis ab und bekommt einen Deutschen Führerschein und ein Punktekonto in Flensburg.

Das war’s. Eigentlich alles nicht so wild.

Eine Übersicht über das Versicherungswesen kommt dann irgendwann, wenn ich alles transferiert habe.

Dez 22

Schon seit Längerem befinde ich mich auf einer Odysee mit meinen Handys.

Bis im letzten Jahr war ich ein zufriedener Sony-User. Es war klein und ließ sich via Bluetooth bestens mit dem Mac sychronisieren.

Aber ich wollte noch ein paar Features mehr: GPS, Karten und Sychronisierung mit Exchange. Das Nokia N95 hätte der Nachfolger werden können und ich wartete darauf. Doch als es erschien, waren die Berichte so schlecht, dass ich mir keines leisten wollte.

Was wäre ein würdiger Nachfolger? Im Herbst letzten Jahres bekam ich von meiner neuen Bank ein HTC 3300 geschenkt. Das hatte GPS und Tomtom, was sogar sehr gut war und ich sehr schätzte. Aber mit einem Stift rumzufummeln lag mir nicht und die Synchronisation mit dem Mac lief auch nur halbwegs.

Doch dann kam das iPhone. Die Lösung meiner Kritikpunkten. Zwischendurch hatte ich noch ein Handy von meiner neuen Firma bekommen mit dem neusten Windows Mobile. Furchtbar. Das Menü war mir nicht logisch genug und SMS kamen regelmäßig zu spät an. Zum Teil erst nach einem Reboot des Handys.

Das iPhone ist meine wahre Freude. Endlich Synchronisation mit Exchange und meinem Mac. All die schönen Tools, die ich auch auf meinem Mac habe, gibt es auch fürs iPhone. Das Tippen ist eine wahre Freude und hindert mich nicht in meinem Kommunikationsverhalten. Im Gegenteil. SMS schreibe ich wieder gerne.

Wie man sieht bin ich rundum zufrieden. Was mir noch fehlt ist eine Navigationshilfe, aber die kommt noch.

Das Schöne beim iPhone sind auch die vielen Applikationen. Sie verleiten leider auch dazu, etwas mehr Zeit für das Handy zu investieren. Meine Lieblingsprogramme sind: OmniFocus, Facebook, Evernote und natürlich auch Mail, Kalender und Adressen. Als Spiel hat es mir “Labyrinth” angetan, wo man eine Kugel in einem Holzkasten an Löchern vorbei steuert. So wie früher in echt nur mit dem Unterschied, das ich heute hunderte von verschiedenen Layouts habe.

Okt 02

Das Flohnerleben der vergangenen Monate hat ein Ende. Am 1. Oktober hab ich meine neue Arbeit als Senior Consultant bei der 4C Group AG in München angefangen.

Nein nein, ich bin nicht umgezogen. Die 4C Group hat ein Büro hier in Berlin, aber das Head Office ist in München. Und zum Einstieg bin ich dann nach München geflogen.

Da ich schon mal in München war und gerade das Oktoberfest stattfindet, bin ich am Abend selbstverständlich dort vorbei gegangen.

Eigentlich war ich der Annahme, dass es einfach ein riesiges Festzelt gibt. So gross, dass es alles bisher gesehene in den Schatten stellt. Ich war dann überrascht, dass es etwas ein Dutzend solcher Zelte gab. Drum herum Jahrmarkt, Achterbahnen und so. Tolle Feststimmung.

Da ich unter der Woche da war, konnte man noch in die Festzelte hinein gehen und sich umsehen. Am Wochenende sind die Zelte mit Reservationen schon frühzeitig ausgebucht.

Und was macht man so am Oktoberfest? Richtig, ein Mass Bier trinken. Ich hatte da meine Probleme, so ein Krug zu bekommen, da ich nicht an einem Tisch sass, sondern ein wandernder Geselle war. Die Lösung war, draussen im Biergarten ein Mass zu bestellen und dann reinzugehen ;-) Ich muss zugeben, dass es bei einem Mass geblieben ist. Mehr schaffte ich einfach nicht, tststs.

Aber ich war ja nicht des Bieres Wegen in München. Der Einstieg verlief sehr gut. Habe ein Notebook, Handy und ein paar Einführungen in verschiedene Themen erhalten.

Bereits bin ich in einem Projekt eingebunden. Von Montag bis Donnerstag bin ich nun bei einem Kunden und werde ein Activity-Based Costing einführen. Spannendes Thema.